Auf die Plätze

Sport und Gesellschaft
06. Apr 2011 - 26. Feb 2012

Die Sportausstellung des Deutschen Hygiene-Museums

Einführung

Sport fasziniert und berührt Millionen. Die Sportbegeisterung verbindet unterschiedliche soziale Klassen miteinander und überschreitet nationale Grenzen. Sport ist Spiel und Wettkampf, er verlangt Härte und Fairness zugleich. Einerseits ist er eine individuelle Freizeitbeschäftigung, die einfach Spaß macht und uns extreme körperliche Empfindungen und gemeinschaftliches Erleben ermöglicht, andererseits hat die Professionalisierung und Kommerzialisierung den Sport zu einem bedeutenden, global agierenden Wirtschaftszweig werden lassen. Und nicht zuletzt: Sport wurde und wird von allen politischen Systemen zur Selbstdarstellung genutzt.

Die Sonderausstellung "Auf die Plätze" beschäftigt sich mit aktuellen Trends in der Welt des Sports und wirft gleichzeitig ganz neue Perspektiven auf die Kulturgeschichte der Bewegung. Mit ihren zahlreichen interaktiven Elementen spricht diese Ausstellung Sportinteressierte, Aktive und leidenschaftliche Fans ebenso an wie Sportskeptiker oder solche Museumsbesucher, die den Sport vor allem als eine Bühne für die heute herrschenden Körperbilder und die sich wandelnden Strukturen unserer Gesellschaft sehen.

Heute hat der Sport aber längst die Turnhallen, Übungsplätze und Fitness-Studios verlassen und prägt weite Teile unseres Alltagslebens. Wohin führt diese Tendenz einer "Versportung" der Gesellschaft – zu mehr Fairplay oder zu mehr Konkurrenz? Auch das ist eine Frage, mit der sich diese Ausstellung beschäftigen wird.

Auf dem webbasierten Ausstellungsmodul www.urbansportblog.de präsentieren Dresdner Vertreter aktueller urbaner Bewegungskulturen Motivation und Hintergründe ihrer sportlichen Aktivitäten. Skateboarder, BMXer, Traceure und Breakdancer kommunizieren in diesem Blog mit den Besucherinnen und Besuchern – und das sowohl im Raum "Spiel" der Ausstellung als auch im Internet. Dieses partizipative Projekt entstand im Rahmen einer Kooperation mit szenum. Berlin, unter der Leitung von Sabine Jank.

In der Ausstellung finden sich auch zahlreiche internationale zeitgenössische künstlerische Positionen, darunter Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Samuel Bianchini, Lucinda Devlin, Harun Farocki, Ulrike Lienbacher, RASSIM oder Paul Pfeiffer. 

Abteilungen

Was ist Sport?

Eine Eingangsinstallation zur „Vielfalt der Arten“ von Sportgeräten eröffnet die Ausstellung. Ein historisch variabler Kanon von Sportarten präsentiert sich hier als Wunderkammer. Unterscheidet sich Sport von anderen Bewegungskulturen und Alltagsgesten durch die Bewegung selbst oder durch den Kontext seiner Ausübung? Filmsequenzen ergänzen die Geräte-Wunderkammer. Sie zeigen Szenen von Bewegungsformen, die sich in humorvoller Weise auf ihren Sportstatus befragen lassen.

1. Formung des Körpers

Sport ermöglicht uns, in umfassender und vielfältiger Weise unseren Körper zu formen. Fitnessbewegung, Bodybuilding bzw. -shaping und der aktuelle Wellnesstrend haben ihre Vorläufer in der Reformbewegung und dem frühen Kraftsport zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Immer wieder misst sich das herrschende - männliche - Körperideal an der Antikenplastik. Variiert wird weniger die Körperform, als vielmehr die Art und Weise, mit der sie hergestellt wird, nämlich abwechselnd mit technischen Mitteln oder mit dem Aufruf zu Natürlich- und Ganzheitlichkeit. Die Frage nach den natürlichen Grenzen des Körpers und den Möglichkeiten seiner technischen Erweiterung werden im Sport in besonderer Weise durch Sportgeräte, High-Tech-Kleidung, Dopingmethoden und Prothetisierungen aufgeworfen. Der Sport zeigt sich im Kontext zeitgenössischer Diskurse über Gesundheit, Schönheit und Enhancement.

2. Wettkampf

Schneller, höher, stärker! Der zweite Themenraum zeigt die ultimative Formel des modernen Leistungssports, die sich im Wettkampf manifestiert. Vor der Szenerie klassischer Duelle und inszenierter Massenveranstaltungen werden Grundprinzipien des modernen Sports in den Mittelpunkt gestellt: Konkurrenz, Kooperation und ihre mediale Inszenierung. In Objektinstallationen präsentiert sich Sport als Schauplatz symbolischer und körperlicher Auseinandersetzung. Aggression und Gewalt werden im Sport  einerseits kanalisiert, andererseits aber auch hervorgerufen. Der Themenraum schärft den Blick für die politischen Funktionen des Sports und sein identitätsstiftendes Potenzial.

3. Spiel

 "Mehr als Spiel und doch nicht Arbeit" lautet ein früher Versuch, Sport zu definieren.

Im aktuellen Trendsport weicht sportlicher Wettkampf zunehmend spielerischen Elementen. Als Lifestyle verstanden, verlässt Sport die institutionellen Anlagen und findet inmitten der Städte oder in der Natur statt. Prägend für neue Bewegungskulturen ist die stilsichere Ausübung, doch weiterhin sind beide Elemente enthalten: spielerische Kunst und Arbeit der Einübung. Der letzte Ausstellungsraum lässt ein aktuelles Bild der sich immer neu erfindenden Sportarten entstehen.

 

Rundgang

Die Ausstellung entstand im Rahmen einer Kooperation mit szenum. Berlin, unter der Leitung von Sabine Jank.