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FAST FASHION

DIE SCHATTENSEITEN DER MODE

 

5. Dezember 2015 bis 3. Juli 2016

 

Eine Ausstellung des Museums für Kunst und Gewerbe, Hamburg,

zu Gast im Deutschen Hygiene-Museum

 

 

 

 

Mode fasziniert und verzaubert, sie verführt unser Gegenüber und schmeichelt dem eigenen Ego. Als Bestandteil unserer Alltagskultur ist sie zu einem unverzichtbaren Ausdruck des individuellen Lifestyles geworden. Dieses Bedürfnis nach Mode wird heute von einer weltweit agierenden Industrie bedient, die Kleidung für jeden Geschmack und in jeder Preislage auf den Markt wirft. Damit das funktioniert, wird „Fast Fashion“ meist in Ländern produziert, die über geringe Umweltstandards und ein niedriges Lohnniveau verfügen. Für das Shopping hierzulande bedeutet das: Wir können immer schneller immer mehr Neues kaufen – viel mehr als wir überhaupt benötigen und nutzen können. Aber welche Kosten verbergen sich in der Kleidung, die uns zu unglaublichen Schnäppchen-Preisen angeboten wird? Spätestens seit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch im April 2013, bei dem 1.127 Menschen getötet wurden, kann man vor den Begleiterscheinungen dieser Produktionsweise nicht mehr die Augen verschließen.

 

Vor diesem Hintergrund nimmt die Ausstellung Fast Fashion, die im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg konzipiert wurde, das Big Business mit der Mode erstmals umfassend unter die Lupe – aus ökonomischer, ethischer und ökologischer Perspektive. Jenseits der angesagten Modeketten und glamourösen Laufstege der Haute Couture wirft sie einen Blick hinter die Kulissen der Bekleidungsindustrie. Welche Rolle spielt sie in den produzierenden Ländern und welche Bedeutung könnte sie zukünftig haben?

 

Unsere kritische Moden-Schau endet mit einem Catwalk, auf dem sächsische Mode-Designerinnen und Designer Beispiele aus ihren alternativen Kollektionen präsentieren. Außerdem stellen wir aufregende Entdeckungen nachhaltiger Mode der Berliner Fashion Week vor. Dass „Slow Fashion“ nicht nur fair produzierte Rohstoffe verarbeitet, sondern auch modisch Bella Figura macht, zeigt sich hier aus nächster Nähe – von der Jeans bis zum Abendkleid.

 

Die Präsentation der Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

wurde ermöglicht durch

 




Der Text zur Ausstellung in Leichter Sprache





Die Ausstellung

 

Kuratorin: Dr. Claudia Banz, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Co-Kuratorin Slow Fashion Labor: Miriam Wolf, Hafen City University, Hamburg


Prolog

Die Welt der Mode folgt einer strengen Hierarchie. Das höchste Ansehen genießt traditionell die Haute Couture mit ihren Star-Designern und luxuriösen Kollektionen. Ihr folgen die „tragbare“ Prêt-à-Porter-Mode und danach die gängige Konfektionsware im mittleren Preissegment. Das uferlose Billigangebot der Fast Fashion stellt dagegen ein relativ junges Phänomen dar. Unter welchen Umständen sie produziert wird und wie dieser Wirtschaftszweig das Konsumverhalten weltweit beeinflusst, wird in unserer Ausstellung kritisch analysiert

 

 

Konsum

Mangel & Überfluss ___ Fashion & Victims

Mode macht den Menschen und fordert ihn gleichzeitig dazu auf, sich mit wechselnden Kleidungsstilen ständig neu zu erfinden. Die Überfülle des Fast-Fashion-Marktes erlaubt es, dieses Bedürfnis in immer schnelleren Zyklen für relativ wenig Geld zu befriedigen. Der gesellschaftliche Überfluss zeigt sich hier wie in kaum einem anderen Bereich: Der bundesdeutsche Durchschnitts-Kleiderschrank enthält heute vier Mal mehr Kleidung als noch im Jahr 1980.

 

 

Ökonomie

Global & Lokal ___ Lohn & Gewinn

Die Textilindustrie ist ein Paradebeispiel der wirtschaftlichen Globalisierung. Vom Entwurf über Produktion und Vertrieb bis zum Konsum und der Entsorgung eines Kleidungsstücks ist ein schneller, aber kaum nachvollziehbarer Weg zurückzulegen. Die Produktion wurde in den letzten Jahrzehnten fast vollständig in Billiglohnländer – überwiegend nach Asien – verlagert, so dass heute rund 90 Prozent unserer Bekleidung dort entstehen. Einerseits arbeiten die Beschäftigten in diesen Ländern unter teils prekären Verhältnissen, andererseits schafft die Bekleidungsindustrie oft überhaupt erst Möglichkeiten für eine wirtschaftliche Entwicklung.

 

 

Ökologie

Bekleidung & Chemie ___ Bekleidung & Ökobilanz

Die Herstellung der „schnellen Mode“ beeinflusst die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt entlang der gesamten textilen Kette. Material-, Wasser- und Energieverbrauch während der Produktions- und Verarbeitungsphase haben ebenso gravierende Auswirkungen auf das Ökosystem wie der intensive Einsatz von toxischen Farb-, Hilfs- und Ausrüstungschemikalien. Betroffen sind vor allem die Menschen in den Herstellerländern mit ihren teilweise unzureichenden Umweltstandards, aber auch die Konsumenten hierzulande.

 

 

Slow Fashion

Umweltschonende Herstellung und Auswahl der Rohstoffe, nachhaltige Produktion, hochwertige Verarbeitung und lange Haltbarkeit, fairer Handel sowie ein Gebrauch der Kleidung im Zeichen der Entschleunigung – das sind die Prinzipien von Slow Fashion. In welchen Produktionsschritten diese Art von Mode entsteht, zeigt die letzte Abteilung der Ausstellung. Außerdem präsentieren wir aktuelle Trends bundesweiter Labels und stellen auf einem Laufsteg Nachwuchsmode aus Sachsen vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

Foto: Manu Washaus, SWEATER, study of the possible II, 2013, Foto: © anna.k.o.

 

www.fastfashion-dieausstellung.de

 

 

 

 

Fotos: Tim Mitchell: Preparing the Clothing for shredding, 2005. (Frauen zertrennen Pullover, Jacken und Mäntel mit traditionellen Gemüsemessern. Etiketten, die teure Marken und ihre Herkunft bewerben, sind wertlos und werden aussortiert.)

Susanne A. Friedel: beyond fashion I, 2012

(Die im Stil eines Modeplakats gestaltete Fotoarbeit von Susanne A. Friedel zitiert eine Arbeiterin, die nach dem Brand einer Textilfabrik in Bangladesch zur Witwe wurde. Sie erhielt weder Mutterschutzurlaub während ihrer Schwangerschaft, noch eine Entschädigung nach dem Tod ihres Ehemanns.)

Gigie Cruz-Sy / Greenpeace: Ein Fluss färbt sich pink

(Tullahan-Fluss, Philippinen )

NEONON (Nachhaltige Mode „Made in Saxony“)

Foto: Thomas Lohnes / Getty Images/ Ethical Fashion Show Berlin / Greenshowroom / Messe Frankfurt