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FAST FASHION

DIE SCHATTENSEITEN DER MODE

 

5. Dezember 2015 bis 3. Juli 2016


Eine Ausstellung des Museums für Kunst und Gewerbe, Hamburg,

zu Gast im Deutschen Hygiene-Museum

 

Mode fasziniert und verzaubert seit jeher. Als Bestandteil unserer Alltagskultur ist sie zu einem unverzichtbaren Ausdruck des individuellen Lifestyles geworden. Das Bedürfnis nach Mode wird heute von einer weltweit agierenden Industrie bedient, die Kleidung für jeden Geschmack und in jeder Preislage auf den Markt bringt. Vor diesem Hintergrund präsentiert das Deutsche Hygiene-Museum die Sonderausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“, in der die Mechanismen dieses Wirtschaftszweiges erstmals umfassend unter die Lupe genommen werden – aus ökonomischer, ethischer und ökologischer Perspektive.Konzipiert wurde die von Dr. Claudia Banz kuratierte Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, wo sie vom 20. März bis zum 25. Oktober 2015 zu sehen war.

 

 

Das Thema

Die Modewelt wird beherrscht von wenigen Konzernen, die zu den bedeutendsten Akteuren der globalen Wirtschaft gehören. Der Begriff „Fast Fashion“ steht für ein spezifisches Produktions- und Vertriebssystem von massenhaft produzierten Modewaren, die häufig nach hochwertigen Entwürfen kopiert und zu Niedrigstpreisen verkauft werden. „Fast Fashion“ bedeutet aber vor allem eine ungeheure Beschleunigung der Produktion: So liegen heute zwischen dem Entwurf und der Auslieferung des Kleidungsstücks für den Handel häufig gerade einmal zwei Wochen. Damit geht eine Globalisierung und Vereinheitlichung des modischen Mainstreams ebenso einher wie ein rasanter  Wechsel von Gebrauch und Verschleiß der Kleidung.

„Fast Fashion“ ist aber nicht nur zu einem ökonomischen Erfolgsmodell geworden, sondern hat auch einen neuen Typus von Modekonsument_innen hervorgebracht. Deren Sehnsucht nach dem ständig Neuen wird verstärkt und bedient, indem in kürzester Zeit immer neue Kollektionen auf den Markt geworfen werden. Eine aggressive Preispolitik erlaubt es auch Geringerverdienenden, sich häufiger als notwendig neue Kleidung zu kaufen.

 

Diese Mechanismen gehen jedoch zu Lasten der ökologischen und sozialen Systeme. Die „Fast- Fashion“-Industrie besitzt eine denkbar schlechte Umweltbilanz und gehört zu den Branchen mit teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen und Löhnen unterhalb des Existenzminimums. 90 Prozent der Bekleidung für den amerikanischen und europäischen Markt werden heute in Billiglohnländern wie China, Indien, Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha kostengünstig produziert. Bei der Textilbranche handelt es sich häufig um eine Pionierökonomie, die Arbeitsplätze schafft und damit zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in Entwicklungsländern beiträgt; andererseits herrschen an den Produktionsstandorten aber oft inhumane Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards werden häufig nicht eingehalten. Bei der Preiskalkulation eines Kleidungsstücks entfallen maximal ein bis zwei Prozent auf den Lohn für die Arbeiter_innen, so dass die Löhne in der Regel unterhalb des Existenzminimums liegen.

Die Herstellung von Bekleidung geht mit einem enormen Ressourcenverbrauch einher und führt zu einer oft unterschätzten Umweltbelastung. So werden bei der Rohstoffgewinnung, auf dem Transport, in der Gebrauchsphase und bei der Entsorgung große Mengen an Wasser und thermischer Energie benötigt. Beim Baumwollanbau kommen zahlreiche Pestizide zum Einsatz und im weiteren Produktions- und Verarbeitungsprozess werden etwa 7.000 unterschiedliche Chemikalien eingesetzt, um die Kleidung mit bestimmten ästhetischen oder funktionalen Eigenschaften zu „veredeln“.

 

Die Ausstellung

Fast Fashion wirft in drei Kapiteln einen kritischen Blick hinter die Kulissen dieser Art von Textilwirtschaft und regt dazu an, sich engagierter mit den Themen Mode und Konsum zu beschäftigen. Das Ausstellungsprojekt setzt sich als erstes differenziert und kritisch mit dem gesamten System der Bekleidungsindustrie auseinander und betrachtet das globale Dreieck  von Konsum, Ökonomie und Ökologie unter verschiedenen Aspekten, mit denen sich die aktuellen Diskussionen zum komplexen Thema Mode bündeln lassen: Fashion & Victims, Mangel & Überfluss, Global & Lokal, Lohn & Gewinn, Bekleidung & Chemie, Bekleidung & Ökobilanz.

 

Die Szenografie der Ausstellung übersetzt die aktuell recherchierten Zusammenhänge und Hintergründe in eine nachvollziehbare visuelle und räumliche Ordnung, in der Fotostudio, Litfaßsäule, Schaufenster und Umkleidekabine bekannte Bildwelten der Mode zitieren. Der Ausstellungs-Parcours führt die Besucher_innen anhand von Filmen und Fotodokumentationen, Sachinformationen und fantasievoll aufgearbeiteten Statistiken sowie verschiedenen künstlerischen Positionen durch den gesamten Produktions- und Konsumprozess. Dabei werden auch zahlreiche Originalexponate von Kleidungsstücken zu sehen sein, die die Welt von „Haute Couture“ und „Prêt-à-porter“-Mode ebenso repräsentieren wie mittelpreisige Konfektionsware und „Fast Fashion“.

In dem abschließenden Slow-Fashion-Lab, das für die Dresdner Präsentation der Ausstellung umfassend erweitert wurde, werden innovative Produkte und Technologien des Fertigungsprozesses einer alternativen „grünen“ Mode vorgestellt. Ein Laufsteg präsentiert Kollektionen von Dresdner Designer_innen und neuste Entdeckungen nachhaltiger Mode der Berliner Fashion Week.

 

Die „Slow Fashion“-Bewegung fordert Produzent_innen und Konsument_innen zu mehr Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt auf. Ihre zentralen Anforderungen an eine nachhaltige Produktion sind Entschleunigung, umweltschonende Herstellung und Auswahl der Rohstoffe, hochwertige Verarbeitung und fairer Handel. Angelehnt an Bewegungen wie „Slow Food“ spielen die regionale Herkunft und eine kurze Produktionskette mit sichtbaren Schritten von der Faser bis zur Verarbeitung sowie der weitgehende Verzicht auf schädliche Chemikalien eine große Rolle.

 

Offene Fragen

Die Ausstellung entlässt ihre Besucher_innen mit einer Fülle von Eindrücken und Informationen, aber auch mit zahlreichen offenen Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt: Schafft der globale Mainstream der „Fast Fashion“ neue Möglichkeiten für das Ausleben von Individualität? Steht „Fast Fashion“ auch für eine Demokratisierung der Mode? Was sagt sie über die Qualität der Produkte und die Wertschätzung von Mode aus? Welche Verantwortung tragen die Konsumenten? Was können sie tun, um Einfluss auf die heutigen Produktionsbedingungen von Mode zu nehmen?

 

 

AUSSTELLUNGSKAPITEL und ausstellungstexte

 

Konsum

Fashion & Victims

Mangel und Überfluss

 

Ökonomie

Global & lokal

Lohn & Gewinn

 

Ökologie

Bekleidung und Chemie

Bekleidung und Ökologie

 

Slow-Fashion-Lab

 

 

KURATORIN

 

Dr. Claudia Banz, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Co-Kuratorin Slow Fashion Labor: Miriam Wolf, Hafen City University, Hamburg

 

 

BETEILIGTE KÜNSTLER

 

Taslima Akhter, Susanne A. Friedel, Christin Losta, Tim Mitchell, Elisa van Joolen, Manu Washaus, Paolo Woods

 

 

BEGLEITPUBLIKATION: MAGALOG

 

Hrsg. Sabine Schulze und Claudia Banz

200 Seiten, ca. 35 farbige Abbildungen und ca. 20 Grafiken, 6,50 Euro.

Mit Beiträgen von: Claudia Banz, Marina Beermann, Jamil Bhuiyan, Marc Brandt, Kirsten Brodde, Ina Budde, Stephan Engel, Sabine Franke, Anke Hagemann, Patrick Kugler, Bettina Musiolek, Lucy Norris, Ralph Pirow, Angelika Riley, Frank Schmidt, Marijke Schottmer, Carolin Wahnbaeck, Waltraud Waidelich, Friederike von Wedel-Parlow, Miriam Wolf und Brigitte Zietlow

© Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und die Autoren

 

Daten und Fakten zu Ausstellung


Ausstellungsfläche: rund 800 qm

Beteiligte Künstler: Taslima Akhter, Susanne A. Friedel, Christin Losta, Tim Mitchell, Elisa van Joolen, Manu Washaus, Paolo Woods

 

 

AUSSTELLUNG MKG HAMBURG

 

 

Kuratorin: Dr. Claudia Banz, Leiterin Sammlung Moderne und Design im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

 

Junior Kuratorin: Sabine Franke

Co-Kuratorin Slow Fashion

 

Labor Hamburg: Miriam Wolf

 

Ausstellungsarchitektur Studio Experimentelles Design,

und Konzeption: Hochschule für Bildende Künste Hamburg

 

Ausstellungsgestaltung: Kooperative für Darstellungspolitik, Berlin

 

Ausstellungsgrafik: Nils Reinke-Dieker, Larissa Starke, Friederike Wolf

 

Übersetzung: Philipp Marston, www.world2world.net-Jim Blake

 

Konzept Videofilme: Jonas Amelung, ellipsefilm Hamburg; Lisa Dutschmann, Veronika Engelmann

 

Wissenschaftliche Beratung: Marc Brandt, Oliver Klante, Patrick Kugler, Angelika Riley, Tina Stridde, Friederike von Wedel-Parlow, Brigitte Zietlow

 

 

AUSSTELLUNG DHM Dresden

 

 

 

Gesamtkoordination,

Co-Kurator Slow Fashion Lab: Christoph Willmitzer

 

Gestaltung Slow Fashion Lab: Michal Tomaszewski

 

Ausstellungsbau: Werkstätten des Deutschen Hygiene-Museums

 

Leih- und Ausstellungsbüro: Colleen M. Schmitz (Leitung),

Silke Naumann, Nicole Wonneberger

 

Lichtgestaltung: Kay Jansen

 

Entwurf Plakat und Flyer: Büro quer, Dresden

 

Dresdner Modemacher elvida Kindermode, internaht Kindermode,

in der Ausstellung: neonon Fahrradmode, Ruttloff Jeans, daedalus T-Shirts