logo info ausstellungen programm kalender dhmd mehr suche
 

28. März, Dienstag, 19 Uhr, Eintritt frei

NIkLAS LUhmANN

DiE UNWAhRSchEiNLichE GESELLSchAFT

 

In unserer Reihe „Theorien zur Praxis“ stellen wir zweimal jährlich von Adorno bis Žižek Denker der Moderne vor, die bis heute inspirieren, faszinieren und irritieren.

 

Niklas Luhmann (1927 – 1998), der seine Karriere als Jurist und Verwaltungsbeamter begann und sie als Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld beendete, zählt heute zu den Klassikern der deutschen Sozialwissenschaft des 20. Jahrhunderts. Legendär ist sein 90.000 Karteikarten umfassender Zettelkasten, der die Grundlage seines umfangreichen Werkes bildete.

Der Kern von Luhmanns Theorie der Gesellschaft ist ihre Beschreibung als ein System, das sich durch Kommunikation fortwährend selbst erzeugt. Dafür entwickeln Gesellschaften symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien wie Geld, Macht, Wahrheit oder Liebe. Die historisch wandelbare und spezifische Organisation dieser Medien bildet die Grundlage bestimmter gesellschaftlicher Ordnungen. Die moderne, funktional gegliederte Gesellschaft beschreibt Luhmann mit ihren ausdifferenzierten Teilsystemen für Wissenschaft, Recht, Politik oder Wirtschaft.

 

Luhmanns Gesellschaftstheorie und seine Einzelstudien zu Liebe, Recht, Macht, Kunst, Wirtschaft oder Religion wurden in den damit befassten Wissenschaften bis heute ebenso stark bewundert und adaptiert wie abgelehnt und zurückgewiesen. Sie blieben aufgrund ihrer technizistischen Sprache vielfach auch unverstanden. In der Kontroverse mit Jürgen Habermas, dem ebenso bekannten wie einfl ussreichen Vertreter der Frankfurter Schule / Kritischen Theorie, ging es um die Frage, ob Soziologie Gesellschaft „nur“ beschreiben oder normativ fassen und verändern soll. Unter welchen Umständen kam Luhmanns Theorie auf? Was machte sie so erfolgreich? Was hat sie uns heute noch zu sagen?

 

Philipp Felsch, Professor für Geschichte der Humanwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, im Gespräch mit André Kieserling, Professor für Allgemeine Soziologie, Luhmann-Schüler und Leiter des Bielefelder Luhmann-Archivs