logo info ausstellungen programm kalender dhmd mehr suche
 

1. "Mit Kindern in die Zukunft gehen"

Dresden, 8. Dezember 2006

 

2. Preisjury vergibt Medienpreis trotz Protesten

Dresden/Köln, 24. November 2006

 

<HR>

1. "Mit Kindern in die Zukunft gehen"

Woche für das Leben 2007

Dresden, 8. Dezember 2006

 

Seit mehr als 10 Jahren arbeiten die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen und das Bistum Dresden-Meißen bei der Woche für das Leben in Sachsen mit dem Deutschen Hygiene-Museum zusammen. In den Jahren 2005 bis 2007 steht diese bundesweite Initiative der beiden großen Kirchen unter dem Thema: "KinderSegen – Hoffnung für das Leben". Der Zyklus begann 2005 unter dem Motto: "Mit Kindern – ein neuer Aufbruch" und wurde 2006 unter der Überschrift: "Von Anfang an uns anvertraut – Mensch Sein beginnt vor der Geburt" fortgesetzt. Gegenwärtig bereiten die drei Institutionen gemeinsam die Eröffnungsveranstaltung für das Jahr 2007 unter dem Leitthema "Mit Kindern in die Zukunft gehen" vor. Am 21. April 2007 wird im Deutschen Hygiene-Museum eine Reihe von Veranstaltungen für Familien starten, bei denen es um die Rolle religiös motivierter Werte für eine konstruktive Lebensgestaltung in der Gesellschaft gehen wird.

 

Vor dem Hintergrund dieser guten Kooperation mit den beiden großen Kirchen drückt die Leitung des Deutschen Hygiene-Museums ihr Bedauern über die Irritationen aus, die von der Vergabe des Medienpreises "Im Zentrum der Mensch" an den Schweizer Journalisten Erwin Koch ausgelöst wurden. Koch hatte sich in einer Reportage mit der Tötung von todkranken Neugeborenen in den Niederlanden beschäftigt. Die Auszeichnung dieses Textes durch eine Preisjury, in der neben dem Deutsche Hygiene-Museum und der DKV Deutsche Krankenversicherung AG als Auslober auch vier renommierte Wissenschaftsjournalisten vertreten sind, war in Teilen der Öffentlichkeit als ein Plädoyer für die Legalisierung von Kinder-"Euthanasie" kritisiert worden. Die Jury hatte diese Kritik in einer Pressemitteilung als unangemessen zurückgewiesen und den Text Kochs als einen Beitrag zu der öffentlichen Diskussion über Grenzfragen medizinischer Ethik bezeichnet.

 

Die Leitung des Deutschen Hygiene-Museums ist tief betroffen darüber, dass die prämierte Reportage als Parteinahme für Kinder-"Euthanasie" interpretiert werden kann, und stellt mit aller Entschiedenheit klar, dass sie "Euthanasie" grundsätzlich und in jeder Form ablehnt. Schon allein die aktive Betätigung des Museums als Propagandainstitution für die verbrecherische rassehygienische Politik der Nationalsozialisten verpflichte die heute Verantwortlichen zu dieser Überzeugung. Darüber hinaus zeige das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm der vergangenen fünfzehn Jahre, dass die Arbeit des Museums von einem modernen humanistischen Menschenbild auf der Basis der christlich-abendländischen Werte getragen sei.

 

 

2. Preisjury vergibt Medienpreis trotz Protesten

Der Schweizer Journalist Erwin Koch wird heute mit dem Medienpreis „Im Zentrum der Mensch“ ausgezeichnet

Dresden/Köln, 24. November 2006

 

Der Schweizer Journalist und Autor Erwin Koch wird heute mit dem diesjährigen Medienpreis „Im Zentrum der Mensch“ ausgezeichnet. Das Thema des zum achten Mal verliehenen Preises lautete 2006: "Ethik in der modernen Medizin". Koch erhält die mit 12.000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Beitrag „Der gute Tod“, der am 4. März 2006 in „Das Magazin“ in der Schweiz veröffentlicht wurde. Die Reportage von Erwin Koch beschäftigt sich mit dem Schicksal von unheilbar kranken und extrem leidenden Neugeborenen. Er schildert eindringlich, wie in einer Klinik in den Niederlanden wissenschaftliche und ethische Kriterien, das so genannte Groninger Protokoll, entwickelt wurden, nach denen solche Kinder auf Wunsch ihrer Eltern legal getötet werden dürfen.

 

Gegen die Preisvergabe an Erwin Koch sind in den vergangenen Tagen massive Einsprüche geäußert worden. Die behindertenpolitischen Sprecher der im Bundestag vertretenen Parteien werfen dem Text u.a. vor, er "ästhetisiere die Euthanasie an kranken und behindert geborenen Kindern". Der "Arbeitskreis zur Erforschung der NS-"Euthanasie" und Zwangssterilisation" wirft dem ausgezeichneten Artikel vor, dass "die emotionalisierende Darstellung dramatischer Einzelfälle" von Euthanasie-Befürwortern immer wieder benutzt worden sei, "um damit den Boden für eine Euthanasie ermöglichende Gesetzgebung zu bereiten."

 

Die beiden Auslober, das Deutsche Hygiene-Museum und die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, sowie die an der Preisentscheidung beteiligten Jurymitglieder Dagmar Gassen (Der Stern, Ressortleiterin Medizin und Wissenschaft), Johann Grolle (Der Spiegel, Ressortleiter Wissenschaft), Martin Meister (GEO; Geschäftsführender Redakteur Wissenschaft) und Stephan Schön (Sächsische Zeitung, Ressortleiter Wissenschaft) halten die Kritik für unangemessen.

 

Mit der Preisvergabe sei kein Plädoyer für Euthanasie oder das so genannte Groninger Protokoll verbunden. Der Preis gelte vielmehr der journalistischen Leistung des Autors, dem es in seiner Reportage gelungen sei, einen Grenzbereich ethischen Handelns für den Leser emotional und intellektuell zugänglich zu machen. Durch solche wissenschaftsjournalistischen Texte könne eine Tabuzone ärztlicher Praxis öffentlich gemacht und eine notwendige Auseinandersetzung darüber befördert werden. Die Leidenssituation der Kinder, die Erwin Koch ohne Pathos beschreibe, sei für die beteiligten Eltern und Ärzte als unendlich schmerzhaftes moralisches Dilemma erfahrbar: Die Aufrechterhaltung des Lebens unter Einsatz aller verfügbaren medizinisch-technischen Mittel bedeute gleichzeitig die Verlängerung ihrer Leiden, während eine Beendigung der Leiden mit dem Makel der Kindestötung behaftet sei.

 

Der Text von Erwin Koch verdamme weder die niederländischen Ärzte und Juristen, die das Groninger Protokoll erarbeitet haben, noch die Eltern, die sich auf der Basis dieser Kriterien entschlossen haben, das Leben ihrer Kinder zu beenden. Gleichzeitig aber sei der Text so angelegt, dass er dem Leser auch eigene Schlussfolgerungen möglich mache.

 

Die Preisjury hält den Artikel für einen wichtigen Beitrag zu der öffentlichen Diskussion über diese Grenzfragen medizinischer Ethik, die mit dem gebotenen Ernst und Respekt für unterschiedliche politische, weltanschauliche oder religiöse Standpunkte geführt werden müsse.