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Ausstellungsansichten aus London


DER APPARAT

Der Krimkrieg (1853-56) und wenig später die Schlacht von Solferino, Italien, (1859) wurden von vielen Zeitgenossen als militärische und menschliche Tragödien wahrgenommen. Tausende Soldaten starben nicht nur während der Kampfhandlungen, sondern vor allem an den Folgen eines unzureichenden Sanitätswesens. Diese Katastrophen lösten bei Militärs und Medizinern einen allmählichen Bewusstseinswandel aus. Die Ausstattung der modernen Massenheere mit Nahrung, Kleidung und medizinischer Versorgung wurde nun verstärkt als eine zentrale militärische Aufgabe betrachtet. Dies hatte sowohl humanitäre als auch militärstrategische Gründe, denn nur gesunde Truppen lassen sich effektiv einsetzen. In diesem ethischen Zwiespalt bewegt sich das Verhältnis von Krieg und Medizin bis heute.




Ausladung Verwundeter aus dem Vereins-Lazarettzug L in Heidelberg, 1914-1918

Courtesy Universitäts- und Landesbibliothek Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf



A. E. Forringer: The Greatest Mother in the World,

1918, Courtesy Collection Imperial War Museum, reproduziert mit freundlicher Genehmigung durch die British Red Cross Society


DER KÖRPER

Der Körper des Menschen stellt einen wichtigen "Rohstoff" für den Krieg dar, der durch den militärmedizinischen Apparat verwaltet wird. Das medizinische Personal steht dabei vor einer beklemmenden ethischen Tatsache: Seine Funktion besteht darin, die Soldaten zu heilen und gleichzeitig auf einen erneuten Fronteinsatz vorzubereiten, bei dem sie möglicherweise verletzt, verstümmelt oder getötet werden.

Welche Kriterien muss der Körper schon bei der Musterung erfüllen, um für den Krieg als tauglich zu gelten? Welchen allgemeinen und kriegsspezifischen Krankheiten waren und sind Soldaten bis heute ausgeliefert? Welche Verletzungen riskieren Soldaten aufgrund der Zerstörungsgewalt der modernen Kriegstechnik und wie kann die Medizin darauf reagieren? Wie kann Kriegsversehrten im späteren zivilen Leben medizinisch geholfen werden? Wie gingen und gehen Gesellschaften mit dem kriegsversehrten Körper um?


    



Portrait von William Young, Henry Burland und John Connery, verwundet im Krimkrieg, um 1855, Foto: Robert Howlett und Joseph Cundall, im Auftrag von Queen Victoria, © Ihre Majestät Queen Elizabeth II. Courtesy the Royal Collection

Portrait des US-Soldaten Bryan Anderson,
Foto: © Christopher Griffith


DIE PSYCHE

Im Krieg wird nicht nur der Körper misshandelt. Es treten häufig auch schwere psychische Erkrankungen auf, die durch traumatische Kriegserlebnisse ausgelöst werden. Soldaten können davon ebenso betroffen sein wie Zivilisten. In früheren Zeiten wurden solche Traumata häufig verleugnet oder tabuisiert; heute wird diesen Verletzungen der Seele jedoch große Aufmerksamkeit zuteil. Sogenannte posttraumatische Belastungsstörungen können inzwischen weit besser diagnostiziert und psychiatrisch behandelt werden als dies früher der Fall war. Den persönlichen Erfahrungsberichten von Kriegsteilnehmern und -opfern widmet die Ausstellung in der letzten Abteilung breiten Raum.

 

 



Virtual Iraq, Computerprogramm zur Behandlung der post-traumatischen Belastungsstörung (P.T.S.D.) in den USA, 2007,

Courtesy University of Southern California



Kinderzeichnungen aus Afghanistan, 2006-2007,

Courtesy Prof. Catherine Panter-Brick,

Durham University, Wellcome Library, London