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Organspende – bewusst entscheiden

Veranstaltungsreihe des Deutschen Hygiene-Museums und der Sächsischen Landesärztekammer 2010


Veranstaltungsort: Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Marta-Fraenkel-Saal

Eintritt: 3 €, Schüler, Studenten kostenlos

 

Der Bedarf an Spenderorganen in Deutschland ist groß: 12.000 Menschen warten derzeit auf die lebensrettende Transplantation. Im vergangenen Jahr wurden etwa 4.000 Organe übertragen. Für jeden kann nach einem Unfall oder einer Krankheit eine solche Spende lebenswichtig werden. Rund zwei Drittel der Deutschen sind bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden, wenn Sie danach gefragt werden. Doch wer einen Organspendeausweis ausfüllt, muss sich damit auseinandersetzen, dass er selbst plötzlich sterben könnte - und das ist jenseits von dem, was wir uns vorstellen wollen. Vielleicht hat deshalb nur jeder sechste Bundesbürger einen Organspendeausweis ausgefüllt? Dieser gibt den Angehörigen im Fall eines plötzlichen Todes Sicherheit, im Sinne des Verstorbenen zu entscheiden - einer Organ- und Gewebespende zuzustimmen oder diese abzulehnen beziehungsweise auf bestimmte Organe und Gewebe zu beschränken.

 

Eine Organspende wirft grundsätzliche Fragen auf: Was ist der Mensch - und wann er ist er tot? Darauf geben unterschiedliche Professionen unterschiedliche Antworten - das Hirntodkonzept der Medizin ist eine davon. Wie jeder einzelne diese Fragen für sich beantwortet, ist ausschlaggebend dafür, wie er zur Organspende steht und ob und wie er den Organspendeausweis ausfüllt.

 

Die Veranstaltungsreihe Organspende soll für das Thema sensibilisieren und Hilfestellung zu einer eigenen Entscheidung für oder gegen Organspende geben. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, dem Körper und seiner Organe bilden einen Schwerpunkt der Reihe.

 

 

31. August, Dienstag, 19.00 - 20.30 Uhr

Organe spenden: Zwei Seiten des Todes

Wann ist der Mensch tot? Wie läuft der Sterbeprozess ab? Wie stellen Ärzte den Hirntod fest - und was verbirgt sich dahinter? Die Auftaktveranstaltung stellt die Fragen nach dem Organspender und seinen Angehörigen in den Mittelpunkt. Es wird dargestellt, wie die Gespräche mit den Angehörigen ablaufen, wie diese den Tod, aber auch den Kontakt mit den Ärzten erleben. Es werden juristische Fragen und die Situation für Ärzte und Pflegende diskutiert.

PD Dr. med. habil. Jochen Machetanz, Neurologische Klinik, Städtisches Krankenhaus Dresden-Neustadt,

Dr. disc. pol. Vera Kalitzkus, Medizinethnologin, Universität Witten-Herdecke,

 

 

7. September, Dienstag, 19.00 - 20.30 Uhr

Organe empfangen - Weiterleben mit dem Fremden

In dieser Veranstaltung geht es um die Hoffnungen, Ängste und Chancen der Organempfänger. Welche Organe werden transplantiert - und wie sind die Erfolgsaussichten? Wer bekommt die wenigen Organe und warum steigt der Bedarf so stark? Wie gestaltet sich das Leben nach der Transplantation mit dem neuen Organ?

Prof. Dr. med. habil. Johann Hauss, Klinik für Abdominal-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Vorsitzender der Kommission Transplantation der Sächsischen Landesärztekammer,

Dr. phil. Oliver Decker, Diplompsychologe, Selbständige Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig

 

 

 

14. September, Dienstag, 19.00 - 20.30 Uhr

Hirntod und Organspende

Ein Tod - ein Leben

Podiumsdiskussion

Jeder Mensch ist angefragt, einen Organspendeausweis auszufüllen. Doch ob und wie er ihn ausfüllt, hängt von seiner Einstellung zu Leben und Tod ab. Diese Veranstaltung ist ein Gespräch über Menschenbilder, den Tod, die Bedeutung des Körpers, die Leib-Seele-Problematik und eine Einladung, eine eigene Einstellung zur Organspende zu finden.

 

Dr. med. Werner Siekmeyer, Abteilung interdisziplinäre Kinderintensivmedizin, Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche, Universitätsklinikum Leipzig,

Prof. Dr. phil. habil. Anna Bergmann, Kulturwissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität Frankfurt (Oder)

Dr. disc. pol. Vera Kalitzkus, Medizinethnologin, Universität Witten-Herdecke

Prof. Dr. med. Katrin Engelmann, Klinik für Augenheilkunde, Klinikum Chemnitz

Moderation: Ulrich Braun, Ethikprojekt, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

 

 

Jeder Vortrag ist mit zwei Punkten als Fortbildung für Ärzte zertifiziert.

 

 

28. September, Dienstag, 19.00 - 20.30 Uhr

Was bin ich wert?

Versuch einer öffentlichen Menschenwertberechnung

Jörn Klare, Publizist, Berlin

Gespräch und Lesung

in Kooperation mit dem Suhrkamp-Verlag

 

Der Autor Jörn Klare ist 1.129.381,21 Euro wert. Zumindest ungefähr und zumindest wenn man den gängigen Rechenmethoden für den monetären Wert eines Menschen vertraut. Klare tut das nicht unbedingt, doch eine wachsende Zahl von Ökonomen ist eifrig damit beschäftigt, den Geldwert, der einem Menschenleben entspricht, zu kalkulieren. Und die ermittelten Zahlen können durchaus auch bei Entscheidungen über unsere Lebenschancen eine entscheidende Rolle spielen.

Jörn Klare berichtet über seine Reise durch die Welt der Menschenwertberechner, auf die er sich für sein Buch "Was bin ich wert? - Eine Preisermittlung" (2010, suhrkamp-Verlag) begeben hat.

 

"Am Ende der sehr persönlichen und unterhaltsamen Recherchereise steht eine Zahl - auf Euro und Cent genau. Und die Erkenntnis, dass in der Wirtschaft - und dabei vor allem im Gesundheitssystem - nicht immer nur der ökonomisch ausgerechnete Wert eines Menschen zählen darf."

Martin Greive, Die Welt

 

"Es sind in ihrer Nüchternheit schreckliche Ergebnisse, die seine Recherche zutage befördert hat. Was bin ich wert? ist ein grausames, aber auch sehr brisantes Buch."

Jobst-Ulrich Brand, focus