Im Zentrum eine junge Frau mit Kopfhörern, die sich Notizen macht. Vor und hinter ihr sind weitere Beucher.

Pressemitteilung

NICHT NUR DIE BESUCHERZAHLEN STIMMEN

Deutsches Hygiene-Museum zieht Bilanz und schaut nach vorn: 2018 mit neuem Kinder-Museum, Rassismus-Ausstellung, u.v.a.

 


Die Besucherzahlen

Das Deutsche Hygiene-Museum kann hinsichtlich seiner Besucherzahlen auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken. Mit 284.500 Besucherinnen und Besuchern konnte das Vorjahresergebnis um rund 10 Prozent übertroffen werden. In dieser Zahl enthalten sind alle Tickets, die an der Museumskasse erworben werden. Weitere 8.000 Personen konnten bei den kostenlosen Familientagen, den Ausstellungseröffnungen oder im Rahmen der Museumsnacht gezählt werden. Darüber hinaus nahmen rund 11.000 Interessierte an einer der ca. 80 literarischen, Vortrags-, Konzert- oder Diskussionsveranstaltungen teil, die das Museum selbst oder in Kooperation mit Partnern durchführt. Prof. Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums, äußerte sich zu dieser Entwicklung: „Natürlich freut es uns sehr, wenn unser Museum beständig von Gästen aus nah und fern aufgesucht wird. Aber ich spreche mich auch klar gegen einen übertriebenen Besucherzahlen-Fetischismus aus – es geht bei unseren Ausstellungen und Veranstaltungen doch eigentlich um unseren Bildungsauftrag, um die Qualität unserer Arbeit und darum, dass sie von unseren Besucherinnen und Besuchern als Bereicherung erlebt und geschätzt wird.“

 

Rückblick auf 2017

Im vergangenen Februar konnte in der Dauerausstellung des Museums der Saal „Leben und Sterben. Von der ersten Zelle bis zum Tod des Menschen“ nach einer längeren Umbauphase mit einem vollkommen überarbeiteten Konzept wieder eröffnet werden. Der Themenraum berücksichtigt jetzt aktuelle gesellschaftliche Veränderungen ebenso wie neuere Entwicklungen auf dem Gebiet der Lebens- und Kulturwissenschaften.

2017 sind drei Sonderausstellungen, die bereits 2016 eröffnet worden waren, mit erfreulich gutem Zuspruch zu Ende gegangen: „Scham. 100 Gründe, rot zu werden“ zählte in der gesamten Laufzeit rund 80.000 Besucher (davon 64.000 in 2017),“ Lutherland. Fotografien aus der Welt des Glaubens“ 12.000 Besucher und bei „Sprache. Welt der Worte, Zeichen, Gesten“ waren es 104.000 (davon 67.000  in 2017).Die beiden Sonderausstellungen, die in 2017 gestartet sind, weisen zum Jahresende ebenfalls sehr gute Besucherresonanz auf. In „Das Gesicht. Eine Spurensuche“ konnten von August bis zum Jahresende 61.000 Besucher gezählt werden, und „Tierisch beste Freunde. Über Haustiere und ihre Menschen“ verzeichnet seit Ende Oktober bereits rekordverdächtige 40.000 interessierte Gäste.

An den etwa 2.700 öffentlichen und gebuchten Führungen und Projekten, die von der Abteilung Bildung und Vermittlung angeboten werden, nahmen rund 53.000 Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende oder Erwachsene teil.

Als Höhepunkte des umfangreichen Veranstaltungsprogramms 2017 könnten die beiden Gesprächsabende der Reihe „Theorien zur Praxis“ zum Werk des Soziologen Niklas Luhmann sowie zur Nachwirkung von Karl Marx hervorgehoben werden, aber auch die Diskussionen in der Reihe „Zurück oder Zukunft. Wie wir in Dresden leben wollen“, die Lesungen mit Marcel Beyer, Julia Franck und Clemens Meyer oder die Gesprächsabende mit dem Bestseller-Autor Richard David Precht und der jungen britischen Feministin Laurie Penny. Einige Projekte des Museums waren 2017 auch außerhalb Dresdens zu sehen. Die Sonderausstellung „AIDS. Nach einer wahren Begebenheit“ wurde in einer leicht veränderten Version unter dem Titel „AIDS – Ein Kampf in Bildern“ im Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf in der Schweiz gezeigt, wo sie noch bis zum 7. Januar 2018 zu sehen sein wird. Eine größere Auswahl von AIDS-Plakaten aus dem reichen Sammlungsbestand des Museums war vom 8. bis 23. Dezember unter dem Titel „Where Do I Begin“ im Münchner Kulturzentrum Pasinger Fabrik zu sehen.


2017 konnte mit einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt zu den Gläsernen Figuren begonnen werden, bei dem das Deutsche Hygiene-Museum mit dem Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Professur für Organische Chemie der Polymere der Technischen Universität Dresden sowie dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der Technischen Hochschule Köln kooperiert. Primäres Ziel ist die Erforschung des Materials und damit die Sicherung des langfristigen Erhalts der unterschiedlichen Gläsernen Figuren. Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung finanziert.

Ein weiteres Forschungsprojekt wird sich ab 2018 mit einem anderen Aspekt der Gläsernen Figuren des Museums beschäftigen. Dank einer Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung kann der gesamte historische Bestand von Bild- und Tondokumenten zu den Gläsernen Figuren digitalisiert und so für die Forschung und andere Nutzungen erschlossen und zugänglich gemacht werden.

 

Ausblick auf 2018

Ein Höhepunkt erwartet die jüngsten Besucher und ihre Eltern, Großeltern, Freunde und Verwandte ab dem 23. März 2018. Mit einem neuen Konzept und dem neuen Titel „Welt der Sinne“ wird das beliebte Kinder-Museum endlich wieder zugänglich sein. Das alte Kinder-Museum war im Oktober 2017 nach rund zwölfjähriger intensivster Nutzung durch Generationen von Kindern aus aller Welt geschlossen worden. Während seiner Laufzeit haben rund eine Million Besucherinnen und Besucher mit ihren Kindern erste Museumserfahrungen machen können - von Januar bis Oktober 2017 waren es allein knapp 100.000.

Auf dem neuen fantasievollen Parcours lernen die Kinder ihre Sinne spielerisch und vor allem aus den unterschiedlichsten Perspektiven kennen. An zahlreichen interaktiven Stationen können kleine Experimente durchgeführt werden, aber auch klassische Museumsexponate zu den Sinnesorganen werden nicht zu kurz kommen. Im Zentrum steht immer eine lebendige Erfahrung: Jeder Mensch nimmt die Welt auf einzigartige, individuelle Weise wahr, denn die Fähigkeiten unserer Sinne sind bei jedem von uns ganz unterschiedlich ausgeprägt. Inklusion und Barrierefreiheit werden darum im neuen Kinder-Museum ganz großgeschrieben!

Gefördert wird die Neugestaltung u.a. durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Freistaat Sachsen, die Klaus Tschira Stiftung, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, die Art Mentor Foundation Lucern und die Melitta Group Management GmbH & Co KG.

Vom 19. Mai 2018 bis 6. Januar 2019 geht es weiter mit der großen Sonderausstellung Rassismus. Die Erfindung von Menschrassen, die sich dem bedrückenden und nach wie vor aktuellen Thema Rassismus auf umfassende Weise widmen wird. Sie argumentiert einerseits historisch, indem sie sich mit der wissenschaftlichen Erfindung von „Menschenrassen“ seit dem 18. Jahrhundert beschäftigt; andererseits zielt sie ab auf unsere Gegenwart, in der Menschen nach wie vor mit Rassismus und unterschiedlichen Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert sind. Dem interdisziplinären Projektteam um die Kuratorin Susanne Wernsing steht der Historiker Christian Geulen als wissenschaftlicher Berater zur Seite; die Gestaltung der Ausstellung hat der Architekt Francis Kéré, Berlin/Burkina Faso, mit seinem Büro übernommen.

Im nächsten Sonderausstellungsprojekt Shine on Me. Wir und die Sonne fragt das Team um die Kuratorin Catherine Nichols ab September 2018 danach, welche Faszination von der Sonne ausgeht, wie sie zu einem jahrtausendealten mythologischen und kulturellen Orientierungspunkt für die Menschen wurde und welche Rolle sie als Energielieferant für die Erde hat. Präsentiert werden neben wertvollen kunst- und kulturhistorischen Exponaten auch Objekte der Popkultur und faszinierende Ausstellungsstücke aus wissenschaftlichen Sammlungen.

Im Frühjahr 2018 werden die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Attika des Hauptgebäudes fortgesetzt, die im Sommer 2017 an der nördlichen Museumsseite begonnen hatten. Die Arbeiten machen es erforderlich, dass die gesamte Hauptfassade eingerüstet wird; der Besucherverkehr wird dadurch allerdings nicht eingeschränkt sein.

Tierisch beliebt: Die Ausstellung "Tierisch beste Freunde" sahen in nur zwei Monaten rund 40.000 Besucherinnen und Besucher. / Foto: Oliver Killig