Im Gefängnis Vom Entzug der Freiheit

26. Sep 2020 - 31. Mai 2021

Eine Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, des Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseums, Genf, und des Musée des Confluences, Lyon

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Oktober-Special

An allen Freitagen im Oktober wird unsere Sonderausstellung "Im Gefängnis" bis 20 Uhr geöffnet sein – und das Restaurant bis 22 Uhr. An Freitagen kosten alle unsere Tickets ab 15 Uhr traditionell nur die Hälfte – diese Regelung gilt im Oktober auch für die Freitagabende. Und wenn Sie anschließend in unserem neuen Restaurant – der museumsKÜCHE der Dresdner Pastamanufaktur – den Abend ausklingen lassen möchten, erhalten Sie bei Vorlage Ihres Tagestickets einen zusätzlichen Rabatt von 10 %

 

  • Länger offen: "Im Gefängnis" bis 20 Uhr & Restaurant bis 22 Uhr
  • Ersparnis 50 % auf Tagestickets ab 15 Uhr
  • 10 % Ersparnis in der museumsKÜCHE ab 18 Uhr – gegen Vorlage des Tagestickets

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Einführung

Kuratorinnen: Isabel Dzierson (Dresden), Marianne Rigaud-Roy (Lyon), Sandra Sunier (Genf)
Gestaltung: Holzer Kobler Architekturen (Zürich / Berlin)
Plakatmotiv: Lars P. Krause

Gefördert durch

Das Gefängnis ist ein Ort, den viele von uns vor allem aus Filmen oder Serien kennen: Auf engstem Raum leben straffällig gewordene Männer oder Frauen zusammen, getrennt nur durch kahle Zellwände. Ihr Leben wird einerseits streng kontrolliert, gleichzeitig aber sind sie nicht selten Gewalt oder sexuellen Übergriffen durch ihre Mitgefangenen ausgesetzt.

Sieht die Welt hinter gepanzerten Türen wirklich so aus? Und wie stehen Sie selbst zum Gefängnis: Sorgt es für Gerechtigkeit, bietet es Schutz vor weiteren Verbrechen und können Haftanstalten tatsächlich ihr Ziel der Resozialisierung erfüllen? Oder braucht es dazu eine ganz andere Form des Strafvollzugs? Weil es das eine Gefängnis nicht gibt, hat das Deutsche Hygiene-Museum gemeinsam mit seinen Projektpartner*innen vom musée des Confluences in Lyon und vom Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf nach grenzüberschreitenden Themen und Gemeinsamkeiten gesucht.

Mit Hilfe von Alltagsobjekten, historischen Zeugnissen, audiovisuellen Medien und Kunst „aus dem Gefängnis“ zeigen wir Ihnen, wie das Leben der Gefangenen in verschiedenen europäischen Ländern und in den USA heute aussieht.


Warum strafen?

Jede Gesellschaft muss Recht sprechen, um die soziale Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie und mit welchen Mitteln sie das tut, hat sich jedoch über die Jahrhunderte geändert. Dabei sagt die Art der Bestrafung immer auch etwas über den Strafenden selbst aus – denn wir sind es, die strafen.

Die Ausstellungsräume

I. Die Geburt des Gefängnisses

Nach der Französischen Revolution begann auch die Revolution des Strafens: Aus Zuchthäusern, die als Besserungsanstalten für marginalisierte Menschen dienen sollten, entwickelten sich moderne Gefängnisse. In Westeuropa wurden viele Haftanstalten nach dem Vorbild eines von Jeremy Bentham im 19. Jahrhundert erdachten Panoptikums errichtet: Ein zentraler Turm innerhalb eines runden Gebäudekomplexes sollte die ständige Überwachung aller Inhaftierten ermöglichen. In der Gefängnisarchitektur lässt sich diese Idee teilweise bis heute nachverfolgen.

 

 

II. Freiheitsentzug

Das Gefängnis ist eine Welt mit eigenen Regeln und einer besonderen Machtstruktur. Insbesondere unter männlichen Gefangenen lässt sich eine strenge Hierarchie beobachten. Im spannungsreichen Verhältnis der Inhaftierten untereinander und zum Aufsichtspersonal liegt ein Konflikt- und Gewaltpotential begründet, das im zweiten Ausstellungsraum unter anderem in Form von selbstgebauten Waffen aus dem geschlossenen Vollzug dokumentiert wird. Aber auch der Umgang mit unterdrückter Sexualität wird in dieser Abteilung zum Thema. Und hinter all dem stellt sich die Frage: Welchen Einfluss hat die Haftzeit generell auf die psychische Gesundheit aller Beteiligten?

 

 

III. Gefängnisalltag

Die Zelle bietet wenig Platz für Individualität, dafür aber umso mehr Raum für einsame Gedanken. Fotografien aus europäischen Haftanstalten liefern intime Einblicke in diesen unfreiwilligen Rückzugsort. Alltagsobjekte, Schriftstücke und Kunstwerke zeigen, mit welcher Kreativität Gefangene dem Mangel an privaten Gegenständen, Abwechslung und Kontakten zur Außenwelt während ihrer Haftzeit begegnen.   

 

 

IV. Regelverletzungen

Meuterei oder Hungerstreik, Selbstmordversuch oder Graffiti: Im vierten Raum werden individuelle und kollektive Formen des Widerstands gegen die Inhaftierung zum Thema. Während es Gefangene gibt, die die Regeln mit illegalen Geschäften durchbrechen, treibt der Entzug der Freiheit andere in die Verzweiflung, und manche verletzen sich selbst, um im Krankenhaus leichter entfliehen zu können. Auch wenn einige der in dieser Abteilung gezeigten Utensilien von Fluchtgedanken und -plänen erzählen – Ausbrüche aus dem Gefängnis kommen nur selten vor.

 

 

V. Anders strafen?

Erfüllt die Haft, wie wir sie kennen, ihren Zweck oder versprechen andere Formen der Bestrafung mehr Erfolg bei der Resozialisierung? Können vielleicht sogar Begegnungen zwischen Tätern und Opfen sinnvoll sein? Die letzte Abteilung zeigt Alternativen zum aktuelle Gefängnissystem auf und fragt die Besucher*innen nach ihrer persönlichen Meinung.

 

 

Unsere Partner

musée des Confluences, Lyon (MDC)

In Lyon, wo sich Rhône und Saône vereinen, fließt in einem imposanten Glasbau auch das Wissen der Jahrhunderte und Kontinente zusammen: Neben der Erde, ihrem Ursprung und ihrer Geografie steht im musée des Confluences vor allem das Menschsein im Mittelpunkt. Die Dauerausstellungen des Museums widmen sich den Fragen „Wo kommen wir her?“ „Wer sind wir?“ und „Was machen wir?“. Die Ausstellung „Im Gefängnis“ (Prison, au-delà des murs) war hier bis Juni 2020 zu sehen.

www.museedesconfluences.fr

 

 

Internationales Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum, Genf (MICR)

Emotionen, Entdeckungen, Denkanstöße: Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum bietet in seiner Dauerausstellung faszinierende Einblicke in die humanitäre Arbeit. In seinen Sonderausstellungen greift das Museum, das dem Werk des Rotkreuz-Gründers Henry Dunant gewidmet ist, immer wieder aktuelle Gesellschaftsthemen auf. Die Ausstellung „Im Gefängnis“ feierte hier im Jahr 2019 ihre Premiere.  Bis zum 31. Januar 2021 ist das partizipative Ausstellungsprojekt „COVID19 und Wir. Von Magnum-Photos und Ihnen“ zu sehen.

www.redcrossmuseum.ch/de

 

 

Knast-Post. Fragen ins Gefängnis

Ein Projekt in Kooperation mit der JVA Zeithain und der  JVA Chemnitz

"Empfinden Sie die Strafe, die Sie bekommen haben, als gerecht?", "Hat die Zeit in Haft für Sie auch positive Seiten und wenn ja welche?", "Schauen Sie Gefängnisserien und wenn ja – was denken Sie darüber?": Fragen dieser Art beantworten Inhaftierte auf KNASTPOST - dem Blog zur Ausstellung. Stellen Sie selbst Fragen und nutzen Sie dazu entweder eine Einwurfbox in unserer Ausstellung, unsere Social-Media-Kanäle oder die E-Mail-Adresse haftblog@dhmd.de!

Im Rahmen des Projekts "Knastpost" finden auch öffentliche Führungen statt, bei denen Inhaftierte aus den JVAs Zeithain und Chemnitz im Anschluss an die Führung Fragen zu ihrem Alltag live via Skype beantworten.
Termine s.u.



Öffentliche Führungen

  • In Haft. Ein Blick hinter verschlossene Türen

    ab 04.10.2020
    sonntags, 16 Uhr (am 8. 11. mit Übersetzung in Gebärdensprache)
    Anmeldung an der Kasse, mit Museumsticket kostenlos, max.10 Teilnehmer*innen

  • Knastpost

    Führung mit anschließendem Skype-Gespräch mit Gefangenen der JVA Zeithain oder JVA Chemnitz
    9.10., 30.10., 27.11., 11.12.2020 / 29.1., 26.2., 26.3., 30.4., 28.5. 2020, freitags, 16 Uhr (Termine unter Vorbehalt - wir informieren an dieser Stelle zeitnah über evtl. Änderungen)
    Anmeldung per E-Mail an service@dhmd.de, mit Museumsticket kostenlos, max.10 Teilnehmer*innen
    Teilnahme nur für angemeldete Besucher*innnen. Ein gültiges Zeitfensterticket berechtigt nicht zur Teilnahme an den Führungen!

  • Einschluss! Ausschluss?

    Führung im Tandem mit ehemaligen Inhaftierten. In Kooperation mit dem Verein für soziale Rechtspflege Dresden e.V.
    17.Oktober (AUSGEBUCHT!), 21.November (AUSGEBUCHT!), 23. Januar 2021, 27. Februar 2021, samstags 11 Uhr 
    Anmeldung per E-Mail an service@dhmd.de, mit Museumsticket, maximal 10 Teilnehmer*innen
    Teilnahme nur für angemeldete Besucher*innnen. Ein gültiges Zeitfensterticket berechtigt nicht zur Teilnahme an den Führungen!

  • Führung in Einfacher Sprache

    6. Dezember, Sonntag, 11 Uhr
    Anmeldung an der Kasse, mit Museumsticket, maximal 10 Teilnehmer*innen

    Alle Ausstellungstexte sind in Einfacher Sprache verfügbar in der App des Deutschen Hygiene-Museums.
    Download im App-Store
    Download bei Google Play

Führungen für Erwachsenengruppen

In einem Ausstellungsraum steht recht eine Frau mit lockigen Haaren vor einer Wand mit Bildern und erzählt einer Gruppe von Personen, die links im Bild sind, etwas. Im Hintergrund ist ein weiterer Raum zu erkennen.

Buchung unter
service@dhmd.de / Tel. 0351 - 48 46 400

Für Schulen

Schüler auf dem Weg in das Museum

Führungen & Projekte

DETAILS

Fortbildung für Pädagog*innen

30. Sept., Mittwoch, 15 Uhr
Führung mit der Kuratorin Isabel Dzierson und Vorstellung der Bildungsangebote

Buchung über den Besucherservice

Veranstaltungen

Schwarz-weiß Aufnahme einer Frau und eins Mannes, der sich vor ihren Unterleib beugt.
Film
Di. 10. Nov, 19:00 Uhr

Körper in Haft - Sexualität im Gefängnis

Details
Unterführung mit Graffiti
Vortrag/Diskussion
Di. 17. Nov, 19:00 Uhr

Gefühlte (Un-)Sicherheiten

Wie rational ist unsere Angst vor Kriminalität?

Details

Pressestimmen

Freiheitsentzug zur Vorbereitung auf die Freiheit: Das Deutsche Hygiene-Museum widmet sich dem Gefängnis in einer sehenswerten Schau Stefan Locke, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Eine sehens- und empfehlenswerte Ausstellung im Dresdner Hygiene-Museum (DHM) mit dem Titel Im Gefängnis konzentriert sich genau darauf: auf den Täter und seine Verbringung in Haftanstalten, die moderne Gesellschaften ungefähr seit der Französischen Revolution errichtet haben. Bernd Graff, Süddeutsche Zeitung
Welche Strafe ist gerecht? Wie verläuft der Alltag der Gefangenen, zum Teil jahrelang eingesperrt hinter Gittern und Mauern? Und wie kann ein menschenwürdiges Strafsystem aussehen? Diese Fragen stellen und so die Verantwortung der Gesellschaft für die Gefangenen aufzeigen, ist das Anliegen der Ausstellung Alexander Moritz, Deutschlandradio
Die Ausstellungsgestalter des Schweizer Büros Holzer Kobler Architekturen haben die Exponate aus dem Alltag der Gefängnisinsassen in orange Käfige gesperrt. Unwillkürlich denkt man an die Häftlingskleidung aus Guantanamo. Aber zugleich ist diese Farbe auch ein Hoffnungsschimmer wie der Blick durch die Gitterstäbe nach ‚draußen‘. Birgit Grimm, Sächsische Zeitung
Im Gefängnis kommt vieles anders daher als im normalen Leben. Die Zeit zum Beispiel. Sie streckt sich hinter Gittern, manchmal bis in eine Ewigkeit. Das zeigt auch die Installation „Sich von Zeit zu Zeit vergessen“ von Rodrigue Glombard, eine Wand aus 48 Sanduhren. Torsten Klaus, Dresdner Neueste Nachrichten

Rundgang