Eine Person steht mit dem Rücken zur Kamera in einem dunklen Raum und schaut auf eine große, gebogene Projektionsfläche. Die Person trägt Kopfhörer. Auf der Projektion ist eine lebendige Parkszene zu sehen, die zwei unterschiedliche Perspektiven zeigt: Links ein schattiger Weg mit mehreren Menschen, die sich unterhalten oder spazieren gehen, rechts eine sonnige Wiese mit Bäumen im Hintergrund.

Let’s Talk About Mountains.

Filmische Ansichten von Nordkorea

18. November 2023 - 26. Mai 2024

Über die Ausstellung

In Kooperation mit dem Alpinen Museum der Schweiz, Bern

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie „Nordkorea“ hören? Totalitärer Führerstaat, Menschenrechtsverletzungen, Ernährungskrisen und militärische Drohgebärden? Wie aber denken Nordkoreaner:innen über ihre Welt? Wie und worüber ist ein Austausch mit ihnen möglich? Wo liegen die Grenzen des Sagbaren? Was können wir verstehen?

In der Ausstellung „Let’s Talk about Mountains“, die ein Kuratoren- und Filmteam des Alpinen Museums der Schweiz realisiert hat, erzählten Menschen aus Nordkorea über Berge, Naturerfahrungen und Identität. Die Berglandschaften der koreanischen Halbinsel prägen und verbinden ein Land, das seit fast 80 Jahren geteilt ist. Die einfühlsamen Filmbegegnungen schufen Irritationen, aber auch Momente vertrauter Nähe trotz scheinbar unüberbrückbarer systemischer Unterschiede. Jenseits stereotyper medialer Bilder gaben sie Einblicke in den nordkoreanischen Alltag und seine Lebenswelten.

Bei ihrer Präsentation im Hygiene-Museum wurde die Ausstellung um eine interessante zeithistorische Perspektive ergänzt: Sächsische Bergsteiger:innen berichteten von ihren Eindrücken und persönlichen Grenzerfahrungen im ehemaligen sozialistischen Bruderstaat, in den sie Ende der 1980er Jahre zur Erkundung anspruchsvoller Kletterrouten eingeladen waren.

Für Familien

Ein Kind steht an einem Tisch in einem roten Ausstellungsraum. Es lächelt und hat große Kopfhörer um den Hals. Das Kind schneidet einen rot-weißen Strick mit einer Schere durch.

Kinderspur: 10 Stationen zum Hören & Mitmachen

Kinder ab 9 Jahren konnten in der Ausstellung eine interaktive Reise durch Nordkorea unternehmen: Dabei berichteten verschiedene Alltagsgegenstände über ihre Erfahrungen in Nordkorea und ihre Begegnungen mit dem Ausstellungsteam.

Pressestimmen

Der Berg als trojanisches Tor, scheinbar unverdächtig und doch hochpolitisch, zieht sich als Thema durch die Ausstellung, die nun in Dresden zu sehen ist. Tatsächlich kommt man dem Leben in dem totalitär regierten Land näher als kaum zuvor, ohne sich der Illusion hinzugeben, dass man hier tatsächlich realistischen Alltag sehen würde.

MDR artour

Das Stereotyp Nordkoreas ist in vielen Antworten präsent: immer dann, wenn Männer und Frauen sofort auf ihren 'großen Führer' zu sprechen kommen. Dazu passt auch die oft recht steife Körperhaltung der einzeln Befragten. Gerade deshalb stechen die wenigen Ausnahmen geradezu wohltuend heraus.

Dresdener Neuste Nachrichten

Entstanden sind die Filmaufnahmen 2018 und 2019 während einer kurzen Tauwetterphase. Inzwischen aber setzt man in Nordkorea wieder auf Abschottung. Insofern zeigt uns die Ausstellung ein Land, das es so nicht mehr gibt, was sie umso sehenswerter macht.

MDR

Man braucht Ruhe und Zeit, um die filmischen Impressionen wirken zu lassen (…) zu erleben ist der nordkoreanische Alltag in Schule, Kunst, Freizeit und Alltag, wie man ihn in der herkömmlichen Medienberichterstattung eher selten gezeigt bekommt. Es ergeben sich Nähe und systemische Unterschiede. Und doch wirkt bei aller Befremdlichkeit vieles normal.

Morgenpost

Wer sich (...) spektakuläre Landschaftsaufnahmen und ein Schwelgen in Naturschönheiten verspricht, wird vielleicht enttäuscht sein. Sicher, es gibt diese Bilder, aber die Berge dienen in dem meisten Fällen eher als Trojanisches Pferd, mit dessen Hilfe man hinter die Mauern eines isolierten und abgeschotteten Landes zu kommen hoffte. Die Ausstellung schafft es so, einige Vorurteile in der Sicht auf Nordkorea zu relativieren, sorgt aber auch für Irritationen und wirft neue Fragen auf.

SAX

Die Gefahr lauert im Verharmlosen, was die Ausstellung aber nicht macht. Denn das System verrät sich in den Filmen immer wieder selbst. Wenn die Interviewten beim Plaudern über Berge plötzlich wie fremdgesteuert Phrasen und Parolen über die "großen Führer" und "verehrten Genossen" und deren Heldentaten fürs Volk einstreuen. Wenn eine Schülerin mit rotem Halstuch stockend ihr gemaltes Bild eines Berges erklärt und den Eindruck der Angst vermittelt, ein falsches Wort zu sagen.

Freie Presse

Themen

Ein Mensch sitzt in einem dunklen Ausstellungsraum. Er guckt auf einen großen Bildschirm auf dem eine Straße mit einem SUV zu sehen ist. Daneben ist ein weiterer großer Bildschirm auf dem zwei große Statuen vor einem Gebäude stehen.

Stadtberge

Im Stadtbild Pjöngjangs sind Bergpanoramen an fast jeder Straßenecke auf Plakaten oder Fassaden zu sehen. Im Herzen der Stadt liegt der Moranbong-Park, ein populärer Stadtberg, der am Wochenende gern als Aussichtspunkt genutzt wird. Der Rest des Landes blickt dagegen Richtung Pjöngjang: Wer hier lebt, ist privilegiert, denn im Vergleich zur Provinz gibt es in der Hauptstadt von allem mehr – sei es Wohnraum, Arbeit, Bildung, Kultur oder Freizeit.

In einem dunkel beleuchten Ausstellungsraum sitzen ein Mann und eine Frau auf einer roten Bank Sie tragen Kopfhörer und schauen auf eine große Projektion.

Kunstberge

Das Mansudae-Kunststudio in Pjöngjang ist eine staatliche Kunstmanufaktur mit rund 4.000 Künstler:innen, die Kunst im Auftrag des Staates erschaffen. Kunst in Nordkorea soll zu politisch erwünschtem Denken anregen und realistisch sein. Realistisch wie die Berglandschaften, die Nordkoreas Landschaftsmalerei prägen. Während seines Besuchs traf das Filmteam zwei Bergmaler und eine Kunstakademie-Dozentin.

Eine Person sitzt auf einer roten Bank in einem abgedunkelten Ausstellungsraum und schaut auf eine große Videoprojektion an der Wand. Auf der Projektion ist ein Klassenzimmer mit Schüler:innen zu sehen, die in Reihen sitzen und zur Tafel blicken. Alle Kinder tragen weiße Hemden mit roten Halstüchern. Eine Lehrkraft steht vorne am Pult. Über der Tafel hängen drei Porträts. In der linken unteren Ecke des Bildes sind Untertitel eingeblendet. Neben der Projektion hängt eine rote Infotafel.

Pädagogische Berge

Berge sind auch in der Schule allgegenwärtig. Bereits im Kindergarten wird das Lied vom „Berg der Revolution“ gesungen. Chuch’e, die nordkoreanische Leitideologie, besagt im Kern, dass ein Land mit dem nötigen Willen, kollektivem Einsatz und der richtigen Führung aus eigener Kraft alles erreichen kann. Schon die Jüngsten sollen diese Grundsätze verinnerlichen.

Das Bild zeigt eine Gruppe an Menschen in braunen Uniformen, die in Richtung des Betrachters schauen. Sie stehen auf einem Platz mit einem Denkmal. Darauf ist eine Winterlandschaft mi einer Familie zu sehen. Eine Frau hält ihr kleines Kind im Arm und ein Mann hält die Hand des Kindes.

Ideologische Berge

Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von der Kim-Familie regiert, die einen Führerkult etabliert hat. Der Vulkanberg Paektusan gilt dabei als heiliger Geburtsort  der Revolution. Hier wird an den Partisanenkampf des Staatsgründers Kim Il-sung gegen die japanische Besatzung Koreas in den 1930er Jahren erinnert.

Es werden zwei Menschen von hinten gezeigt. Sie haben Kopfhörer auf und schauen eine Projektion an. Auf der Projektion sieht man einen Sonnenauf- oder untergang und Menschen, die ihn sich angucken.

Der Berg der Berge

Mit 2.744 Metern ist der Paektusan der höchste Gipfel der koreanischen Halbinsel. Doch er ist weit mehr als das: Er ist Symbol der nordkoreanischen Identität, Wallfahrtsort und Machtsymbol der Kim-Dynastie.

Eine Feldarbeiterin steht auf einem schlammigen Weg. Sie trägt Gummistiefel und einen transparenten blauen Plastikoverall über ihrer Kleidung. Hinter ihr ist ein Feld, einige kleine, einstöckige Gebäude und ein langgestreckter Hügel zu sehen.

Rutschende Berge

Nordkoreas Berglandschaften sind reich an Rohstoffen, aber arm an fruchtbaren Böden. Dürreperioden und politische Entwicklungen gefährden die Nahrungsmittelversorgung. Die Humanitäre Hilfe der Schweizer DEZA leitet Frauenprojekte zur Stabilisierung rutschender Berghänge.

Ein Mann in einem blauen Sportanzug steht in einem Skiresort an einer Ein- und Ausstiegsstelle für einen Skilift. Rechts hinter  ihm ist eine Gondel mit geöffneten Türen zu sehen, an deren Türen sich außen Halterungen für Skier befinden. Im Hintergrund hängen weitere Gondeln.

Skiberge

Das von Wehrpfl ichtigen errichtete Masikryong-Skiresort auf dem Taehwa-Berg ist ein staatliches Prestigeprojekt. Skitourist:innen sollen Devisen ins Land bringen, die auch aufgrund der westlichen Wirtschaftssanktionen für den Handel auf dem Weltmarkt unentbehrlich sind.

Fröhliche Berge

Zwei Gipfel, zwei Welten: Der Kumgangsan in Nordkoreas Diamantgebirge und der Hallasan auf Südkoreas Ferieninsel Jeju zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen dies- und jenseits der Grenze, die Korea teilt. Die Filmszenen in Nord und Süd gleichen sich zum Verwechseln. Dennoch bleiben die Gipfel für die jeweils andere Seite unerreichbar, solange die Teilung Koreas Bestand hat.

Acht Europäer stehen nebeneinander vor einer großen Wanderkarte mit koreanischer Beschriftung. Die Männer tragen identische blaue Sportanzüge, die über der linken Brust den Schriftzug "DDR" und das Staatswappen, Hammer und Zirkel im Ährenkranz, zeigen.

Sächsische Berge

1984 sah Kim Il-sung bei einem Staatsbesuch in Dresden und dem Elbsandsteingebirge erstmals Felskletternde. Beeindruckt von deren Kletterkünsten, lud der nordkoreanische Staatsführer die Sportler:innen aus der DDR in sein Land ein. Vier von ihnen erzählten in Interviews von ihren Erlebnissen und den Begegnungen mit den Menschen vor Ort.

Drei Personen befinden sich in einem hellen Ausstellungsraum. Eine bunte, stilisierte Berglandschaft mit Texten ist an der Wand zu sehen. Ein älterer Mann mit langem Bart sitzt lesend auf einer weißen Sitzfläche. Eine Frau betrachtet die Wandgrafik, ein junger Mann hört über Kopfhörer eine Audioinstallation. In der Mitte steht ein Touchscreen auf einem weißen Podest.

Raum der Reflextion

Im letzten Ausstellungsraum konnten Besucher:innen Kommentare hinterlassen, von den Erlebnissen geflüchteter Koreaner:innen erfahren, die eigenen Eindrücke wirken lassen oder mit anderen ins Gespräch kommen. Hier wurden außerdem die häufigsten Publikumsfragen beantwortet und Kinder konnten ihre Lieblingsgeschichten aus der Ausstellung aufschreiben oder malen.

Fact Sheet

Fact Sheet

Eine Gruppe Koreaner:innen steht einer Balustrade auf einem Bergplateau. Sie tragen militärische Kleidung. Sie winken und schwenken eine große rote Fahne. Fast alle halten ein kleines rotes Buch, etwa im Passformat. Sie werden von einem Kameramann gefilmt. Im Hintergrund ist ein Bergkessel unter einem bewölkten Himmel zu sehen.

Nordkorea

KALENDERJAHR 112  

REGIERUNG Totalitäres Einparteiensystem  

EINWOHNERZAHL 26,1 Millionen  

HAUPTSTADT Pjöngjang  

FLÄCHE 120.538 km²  

HÖCHSTER BERG Paektusan, 2744 m  

LEBENSERWARTUNG 71,9 Jahre  

WELTHUNGER-INDEX 97/121  

PRESSEFREIHEITS-INDEX 180/180  

DEMOKRATIE-INDEX 165/167  

Koreanische Wanderer stehen auf einer Holzplattform mit Geländer. Einige machen Fotos oder Selfies, andere schauen über das Geländer nach unten.

Südkorea

KALENDERJAHR 2024  

REGIERUNG Semipräsidentielles Regierungssystem  

EINWOHNERZAHL 51,9 Millionen    

HAUPTSTADT Seoul  

FLÄCHE 99.720 km²  

HÖCHSTER BERG Hallasan, 1950 m

LEBENSERWARTUNG 83,2 Jahre  

WELTHUNGER-INDEX Nicht platziert  

PRESSEFREIHEITS-INDEX 47/180

DEMOKRATIE-INDEX 24/167  

Quellen

CIA World Factbook, Economist Intelligence Unit, Global Hunger Index, International Institute for Strategic Studies, Reporter ohne Grenzen, Unesco, Weltbank, Germany Trade and Invest

Galerie

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DAS ALPINE MUSEUM DER SCHWEIZ  greift aktuelle Themen auf und stellt Fragen zur Gegenwart. Die Alpen und die Bergwelt sind Thema in Kunst und Literatur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Das Museum versteht sich als interaktive Plattform, die Fragen aufwirft und Besucher:innen involviert. Es zeigt große Sonderausstellungen, experimentelle Formate im Raum „Biwak“ und lässt das Publikum im „Fundbüro für Erinnerungen“ die Sammlung mitgestalten.

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