Luft. Eine für alle

09. Nov 2024 - 26. Okt 2025

Über die Ausstellung

Einladung zum Luftanhalten und Durchatmen

Luft ist allgegenwärtig und doch nicht zu fassen. Sie ist immer in Bewegung und bringt Lebewesen in Verbindung – über Ökosysteme und Erdzeitalter hinweg. Auch wir Menschen leben in und durch die Luft: Ungefähr 20.000 Mal am Tag atmen wir sie ein und wieder aus. Und doch verhalten wir uns so, als ob wir nicht in Abhängigkeit von ihr stünden. Durch unser Handeln verändern wir die Luft und damit zunehmend auch unsere Lebensbedingungen.

Die Ausstellung nimmt diese Veränderungen zum Anlass, neben den physikalischen Eigenschaften der Luft auch ihre sozialen Auswirkungen in den Blick zu nehmen – auf lokaler wie auf globaler Ebene. Folgen Sie den Bewegungen der Luft durch verschiedene Ökosysteme und Erdzeitalter und über nationale Grenzen hinweg.

Am Beginn der Ausstellungsrundgangs bringt ein Luftarchiv persönliche Lüfte und Luftwahrnehmungen zusammen. Nebelfänger, mit deren Hilfe in niederschlagsarmen Orten Wasser aus der Luft gefiltert wird, fangen in der Ausstellung Luftbewegungen und Luftphänomene für die Besucher:innen ein. Ein riesiges Klimaanlagenrohr erzählt von den Versuchen, die Luft unter Kontrolle zu bringen.

In die Ausstellung integriert sind zahlreiche Kunstwerke und interaktive Stationen, die dazu einladen, über globale Umweltfragen zu diskutieren, die mit dem Zustand der Luft zusammenhängen. Mit einem „Emissions-Memory“ können beispielsweise die oft abstrakten Größenordnungen von CO₂-Emissionen aufgedeckt werden.

Das Luftschloss

PODCAST ZUR AUSSTELLUNG

In vier Folgen gehen die Journalistin Catrin Altzschner und unser Kollege Martin Frank der Luft auf den Grund – vom ersten Atemzug und Jahren ohne Sommer, über Kanarienvögel und böse Wetter bis hin zum Weltraumflug. In jeder Folge wird Catrin von Martin vor die Aufgabe gestellt, die Spielarten der Luft am eigenen Leib zu erleben – atmosphärische Störungen sind dabei nicht ausgeschlossen.

Galerie

Themen

Eingangs der Ausstellung erwarten Sie 200 scheinbar leere Einweckgläser. Darin hat das Museum Luftproben von Menschen gesammelt, die erklären, warum die im Glas eingefangene Luft für Sie eine ganz besondere ist.

Luftarchiv. 200 Geschichten im Glas

Wir teilen sie miteinander und doch atmen wir nicht dieselbe Luft: Was auf den ersten Blick wie eine Sammlung leerer Gefäße erscheint, ist ein Archiv unterschiedlichster Lüfte und individueller Luftwahrnehmungen. Obwohl die Inhalte der Gläser fast immer gleich aussehen, unterscheiden sich die Proben stark voneinander: Jede einzelne erzählt davon, wie Luft Menschen auf vielfältigste Weise mit ihrer Umwelt in Beziehung setzt und zum Träger menschlicher Empfindungen wird.

Unsichtbar. Luft als Verbindung

Wie begreift man etwas, das sich nicht greifen lässt? Luft gibt den Menschen Rätsel auf. Sie ist unsichtbar, formlos und flüchtig. Was ist in der Luft? Wie lassen sich ihre Bewegungen nachvollziehen und wen verbindet sie miteinander? Wie wir diese Fragen beantworten, unterscheidet sich historisch und kulturell: Sie reichen von sinnlicher Wahrnehmung und wissenschaftlicher Beobachtung bis hin zu mythischen Erzählungen und religiösen Deutungen. Wie prägen diese Vorstellungen unser Verhältnis zur Luft und unseren Umgang mit ihr?

Vermessen. Luft unter Kontrolle

Luft steht nie still. Wir sind dem unaufhörlichen Wechsel ihrer Temperaturen, Zusammensetzungen und Bewegungen ausgesetzt. Und träumen davon, die Luft kontrollieren zu können. Heute wird sie wissenschaftlich vermessen, politisch reguliert und technisch gestaltet. Von „rauchfreien“ Städten bis hin zu Experimenten, die den Menschen völlig unabhängig von der Erdatmosphäre machen sollen: Wen schließen regulierte Luftzonen und künstlich erzeugte Klimata ein, wen aus? Wer bestimmt darüber, was gute und was schlechte Luft ist? Und wie widersetzt sich Luft, die unsichtbar, grenzüberschreitend und immer in Bewegung ist, diesen Kontrollversuchen?

Streitbar. Luft als Gemeingut

Wie auch die Hohe See oder die Antarktis ist die Erdatmosphäre keiner Regierung unterstellt: Sie gilt als globales Gemeingut. Das macht es schwierig, verbindliche Regeln für ihren Schutz und ihre Nutzung auszuhandeln. Gibt es ein Recht auf saubere Luft? Wie werden die Bedürfnisse aller atmenden Lebewesen berücksichtigt? Welche Chancen und Risiken liegen in technischen Lösungen wie dem Geo-Engineering?

Eine Gruppe Kinder macht Experimente mit Trockeneis

Bildungsangebote

Die „Luftstatt“ bot Familien und Schulklassen Raum zum Experimentieren, Ausprobieren und Verschnaufen. Experimente, die gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Chemie der TU Dresden konzipiert wurden, machten große globale Zusammenhänge in kleinen chemischen Versuchen verständlich.

Projektbeteiligte

Projektteam

  • Neli Wagner (DHMD), Kuratorin und Projektleitung
  • Nele-Hendrikje Lehmann (DHMD), Co-Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeit
  • Laura Schmidt (DHMD), Kuratorische Mitarbeit Vermittlung
  • Bettina Beer (DHMD), Projektassistenz

Ausstellungsgestaltung

  • Janek Müller (Berlin), Dramaturgie & Szenographie
  • Wir von Kebnekaise - Tina Buß, Irmhild Gumm (Berlin), Entwurfsplanung, Ausführungsplanung und Produktionsleitung
  • Wir von Kebnekaise mit Matthies, Weber & Schnegg (Berlin), Grafikgestaltung

Künstlerische Arbeiten u.a. von:

  • The Atmospheric Data Collective (ADC), Frank Bloem, Anna und Bernhard Blume, Zlatko Ćosić, Vibha Galhotra, Sonja Hornung und Daniele Tognozzi (bis 10. August 2025), Emily Parsons-Lord, Werner Reiterer, Karolina Sobecka und Chris Woebken, Koki Tanaka, Rikuo Ueda, Nils Völker u. v. m.
  • Arielle Bobb-Willis, Keyvisual
  • Funkelbach, Grafikdesign

Gefördert durch