In der Ausstellung VEB Museum konnten sich Besucher:innen auf eine Zeitreise in die Gesellschaft und Arbeitswelten des sozialistischen deutschen Staates begeben. Auch wenn das Deutsche Hygiene-Museum in der DDR im rechtlich-organisatorischen Sinne kein „Volkseigener Betrieb“ war, eignete es sich doch als Beispiel für eine solche Rückschau. Denn das Museum, das dem Ministerium für Gesundheitswesen der DDR unterstand, war damals viel mehr als ein klassisches Ausstellungshaus. Einerseits bestand es aus dem staatlich gelenkten Institut für Gesundheitserziehung und diente in Dresden gleichzeitig als ein äußerst populärer Veranstaltungsort. Andererseits war es mit dem Institut für biologisch-anatomische Unterrichtsmittel auch ein international aufgestellter Produktionsbetrieb, in dem rund 300 Werktätige arbeiteten.
Der Ausstellungsbesuch glich so einer etwas anderen Werksbesichtigung, in der es jedoch nicht allein um die Geschichte des Museums ging. Denn die von einer Filmausstatterin und einem Bühnenbildner inszenierte Ausstellung warf vor allem einen Blick hinter die Kulissen der DDR-Gesellschaft. Es ging dabei um die zentrale Rolle der Arbeitswelt für die Menschen und gleichzeitig um die Machtansprüche der SED, um die zunehmende Umweltverschmutzung in den 1980er-Jahren und den Protest dagegen, um die Freizeitangebote in den Wirtschaftsbetrieben, aber auch um den offiziellen und systemkritischen Kulturbetrieb. Mit anderen Worten: Um eine verschwundene Realität, die sich im Rückblick als herausfordernd, widersprüchlich und überraschend vielfältig erweisen sollte.
Diese Alltags- und Diktaturerfahrungen in der DDR stehen heute wieder im Mittelpunkt vieler gesellschaftlicher Debatten. Für alle Interessierten aus Ost und West bot die Ausstellung Anlässe zum generationsübergreifenden Austausch über das Leben im „real existierenden Sozialismus“ und über den Systemwechsel nach 1989. Zahlreiche Video-Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen innerhalb und außerhalb des Museums vermittelten individuelle Sichtweisen auf dieses wichtige Kapitel der deutschen Museums- und Zeitgeschichte.