Einige waren Nachbarn Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand

04. Mär 2022 - 01. Mai 2022

Eine Ausstellung des United States Holocaust Memorial Museums

Einführung

Die Ausstellung stellt die zentrale Frage: Wie war der Holocaust möglich? Die herausgehobene Rolle von Hitler und anderer führender Persönlichkeiten der NSDAP für die Durchführung der NS-Rassenpolitik ist unbestreitbar. Doch die Abhängigkeit dieser Tätergruppe von unzähligen anderen Menschen ist weniger bekannt. In NS-Deutschland und im von Deutschland dominierten Europa entwickelten sich überall – in Regierung und Gesellschaft – Formen von Zusammenarbeit und Mittäterschaft, wo immer die Opfer von Verfolgung und Massenmord auch lebten.

Die Ausstellung untersucht die Rolle der Menschen im Holocaust und die Vielzahl von Motiven und Spannungen, die individuelle Handlungsoptionen beeinflussten. Diese Einflüsse reflektieren Angst, Gleichgültigkeit, Antisemitismus, Karriereangst, Ansehen in der Gemeinschaft, Gruppenzwang oder Chancen auf materiellen Gewinn. Die Ausstellung zeigt aber auch Personen, die den Möglichkeiten und Versuchungen, ihre Mitmenschen zu verraten, nicht nachgegeben haben und uns daran erinnern, dass es auch in extremen Zeiten Alternativen zu Kollaboration und Täterschaft gibt.


Titelbild: Nach der Annexion Österreichs sehen Anwohnerinnen und Anwohner zu, wie österreichische Nationalsozialisten Jüdinnen und Juden  zwingen, den Bürgersteig zu schrubben. Wien, März 1938.
\\ Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Bildungsangebote

Die Ausstellungserkundungen ab Klasse 8 und die Fortbildung für Lehrkräfte werden in Kooperation mit HATiKVA – Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e. V. angeboten.

AUSSTELLUNGSERKUNDUNGEN FÜR SCHULKLASSEN

1. Wie war das möglich? Judenverfolgung und Judenvernichtung im Nationalsozialismus

Ausstellungserkundung und Gespräch, ca. 1,5 Stunden

Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit Fotografien zur nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland und Europa. Sie diskutieren die abgebildeten Situationen und hinterfragen die Rolle von Verfolgten und Täterinnen und Tätern ebenso wie die von Zuschauenden, Profitierenden und Personen, die Widerstand leisteten. Weiteres Bildmaterial ermöglicht es, die Judenverfolgung während des Nationalsozialismus hier in Dresden in den Blick zu nehmen.

 

 

2. Das Deutsche Hygiene-Museum als Propaganda-Institution nationalsozialistischer Rassenpolitik

Ausstellungserkundung und Besuch der Dauerausstellung, ca. 2 Stunden 

Zusätzlich zur Beschäftigung mit der Sonderausstellung (siehe Angebot 1) setzen sich die Teilnehmenden mit der Rolle des Deutschen Hygiene-Museums als Propaganda-Institution für die nationalsozialistische Rassenpolitik auseinander. Das Museum beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen zur nationalsozialistischen Gesundheitspolitik und stellte rassistische und antisemitische Lehrmittel für Schulen her. Dies wird in der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ an Medienstationen und mit historischen Objekten thematisiert.

 

 

3. Judenverfolgung und jüdisches Leben in Dresden

Ausstellungserkundung und Stadtrundgang, ca. 3 Stunden

Zusätzlich zur Beschäftigung mit der Sonderausstellung (siehe Angebot 1) führt dieses Angebot in die Stadt: Ausgehend vom Areal um den Lingnerplatz führt der Weg über das Rathaus bis zur Synagoge, an Orte der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Dresden. Zugleich wird deutlich, dass jüdisches  Leben Bestandteil dieser Stadt war und ist. 

 

 

Fortbildungen für Lehrkräfte

Bitte melden Sie sich beim Besucherservice an. Die Teilnahme ist kostenlos; die Plätze sind begrenzt.  

10. März 2022 (Donnerstag), 15.30 Uhr
EINIGE WAREN NACHBARN

Daniel Ristau, Historiker, HATiKVA e. V. 

Einführung in die Ausstellung und Vorstellung der Bildungsangebote


15. März 2022 (Dienstag), 9 bis 15.30 Uhr

1700 JAHRE VORURTEILE – HISTORISCHE UND AKTUELLE DIMENSIONEN VON ANTISEMITISMUS

Stefan Schwarz, M.A., HATiKVA e. V.

Der Workshop thematisiert Erscheinungsformen und Funktionsweisen von Antisemitismus sowie von antisemitischen Codes und Denkweisen. Neben der Vermittlung von Wissen zu diesem Phänomen umfasst der Workshop außerdem einen praktischen Teil zu Handlungsoptionen und Argumentationsstrategien im Umgang mit antisemitischen Vorurteilen und Diskriminierungen.

Anschließend Besuch der Ausstellung „Einige waren Nachbarn“ und Vorstellung des Bildungsprogramms für Schulen.

Kosten & finanzielle Unterstützung

FÜHRUNGSGEBÜHR

30 € für Schulgruppen bis 10 Personen 

3 € pro Person ab 11 Personen


PROJEKTGEBÜHR

60 € für Schulgruppen bis 10 Personen 

4 € pro Person ab 11 Personen

 

Die Landesservicestelle „Lernorte des Erinnerns und Gedenkens“ der Brücke I Most Stiftung bietet finanzielle Unterstützung für Lernortfahrten sächsischer Schulklassen an. Die Ausstellung wird während der Laufzeit in Dresden temporärer Lernort sein. Weitere Informationen sowie den Antrag auf Kostenerstattung finden Sie unter www.lernorte.eu/sachsen

Anmeldung und Information

Die Bildungsangebote können dienstags, mittwochs und um frühzeitige Buchung beim Besucherservice:

E-Mail: service@dhmd.de
Telefon: 0351 48 46 400
Montag bis Freitag: 8 – 12 und 13 – 16 Uhr

Veranstaltungen

5. April 2022 (Dienstag), 19 Uhr, Eintritt frei

SWIMMING POOL AM GOLAN – FILMVORFÜHRUNG MIT GESPRÄCH

Der Dokumentarfilm „Swimming Pool am Golan“ spannt den Bogen zwischen drei Generationen deutsch-jüdischen Lebens in Israel, der DDR und im wiedervereinigten Deutschland. Die Regisseurin Esther Zimmering geht darin ihrer Familiengeschichte nach und fragt, für welche Ideale ihre Vorfahren gelebt haben. Nach der Vorführung findet ein Gespräch zum Film mit ihr und ihrem Vater statt.

Moderation: Dr. Herbert Lappe, jüdischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Mit: Esther Zimmering, Regisseurin, Berlin; Dr. Klaus Zimmering, Arzt, Berlin

In Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V. 

15. März 2022, 19 Uhr, Eintritt frei
DIE KEHRSEITE DER ÖFFENTLICHEN UND PRIVATEN ERINNERUNGSKULTUR

Täterschaft und Mitläufertum in der eigenen Familiengeschichte 

Deutschlands Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Shoa wird im In- und Ausland häufig als vorbildlich angesehen. Andererseits zeigt die 2019 veröffentlichte MEMO-Studie der Universität Bielefeld, dass fast 70 % der Befragten glauben, dass es in der eigenen Familie während der NS Zeit keine Täterinnen und Täter gegeben habe.

Die Veranstaltung stellt die Frage, wie mit Täterschaft in der Familie umgegangen wird, welche psychosozialen Folgen die Auseinandersetzung damit für die folgenden Generationen hat und wie man Leute dazu bringt, diese Frage überhaupt zu stellen. 

Mit: Dr. Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora; Dr. Sabine Moller, Historikern und Oral-History-Expertin, Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Stefan Kühl, Professur für Organisationssoziologie, Universität Bielefeld  

Weitere Ausstellungsorte in Sachsen

PIRNA

Rathaus Pirna  I  Bürgerbüro

2. Mai bis 30. Juni 2022

Weitere Informationen und Bildungsprogramm unter www.pirna.de

LEIPZIG

Neues Rathaus 

17. Januar bis 25. Februar 2022

Das Holocaust Museum

Das United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. ist ein lebendiges Mahnmal für den Holocaust und inspiriert Bürgerinnen und Bürger und führende Persönlichkeiten auf der ganzen Welt, dem Hass entgegenzutreten, Völkermord zu verhindern und die Menschenwürde zu fördern. Die weitreichenden Bildungsprogramme und die globale Wirkung des Museums werden durch großzügige Spender ermöglicht. Für weitere Informationen besuchen Sie unsere deutschsprachigen Ressourcen unter ushmm.org/einige-waren-nachbarn.

Förderer

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Gefördert im Rahmen des Projektes „Museen als Orte der Demokratiebildung“ durch