Im Vordergrund seitlich ein Oberkörper, die Hände sind an einem Musik Mischpult. Im Hintergrund sind verschwommen Menschen. Das Licht ist bunt gestreut.

Digitale Position

Digitale Position des Deutschen Hygiene-Museums

Beratung: JONZN SPACE
www.jonzn.space

Präambel

Das Deutsche Hygiene-Museum (DHMD) hat den Anspruch, die sich ständig weiterentwickelnden Chancen des Digitalen zu nutzen, um seinen Besucher:innen, gleichermaßen im Museum und online, entlang des Themenfeldes "Mensch – Körper – Gesellschaft" und unter der Leitfrage "Wie wollen wir leben?" ein einmaliges, explizit auch digitales Besuchserlebnis zu bieten. Das DHMD kreiert digitale und hybride Angebote, die multiperspektivisch informativ, unterhaltsam und kommunikativ aktivierend sind und den strategischen Langzielen des Museums entsprechen, nämlich nachhaltig, inklusiv, barrierearm, partizipativ und diversitätsorientiert zu sein.

Die digitale Entwicklung erweitert und verändert die Verhaltensweisen von Besucher:innen, Nutzer:innen, Referent:innen, Kund:innen, externen Partner:innen und Mitarbeiter:innen (z. B. hinsichtlich Kommunikation, Mobilität etc.). Damit ändern sich auch die Erwartungen dieser Gruppen und der Stakeholder:innen des DHMD an Reichweite und Zugänglichkeit der Angebote, an Präsentation und Aufbereitung von Wissen, an Professionalität und Unterhaltungswert. 

Gegenüber diesen Bedürfnissen positioniert sich das DHMD auf allen Ebenen seiner musealen Selbstdefinition – als Wissenschafts- und Bildungsinstitution, als Wissensspeicher, Bewahrungsort des kulturellen Erbes, Freizeiteinrichtung und Familienmuseum –, nicht zuletzt um die digitale Wissens- und Museumsvermittlung aktiv mitzugestalten und in der Fülle von Freizeit- und Bildungsangeboten konkurrenzfähig zu bleiben.

Kernposition 

Das reale Museum ist Lernort und primärer Wirkungsraum des DHMD. Es dient als gemeinsamer Ausgangspunkt des Analogen, Digitalen und Hybriden. Dabei können digitale und hybride Angebote immer auch als Werbemaßnahmen für das Vororterlebnis fungieren. Ausstellungen werden primär für reale Besuche angelegt, auch ist der persönliche Austausch für bestimmte Arbeitsprozesse und Begegnungsformate unabdingbar, während Veranstaltungen je nach Zielgruppe, Ausrichtung und Ressourcen auch rein digital erfolgen können. Die Nutzer:innen digitaler und hybrider Programmangebote sind den analogen Besucher:innen gleichwertig (Zählung, Ansprache, professionell umgesetzte Produkte etc.).

Ausstellungen, Veranstaltungen und die Sammlung des Museums sind Ausgangspunkte der digitalen Arbeit. Ausstellungen werden, ebenso wie alle anderen Produkte des DHMD, von Anfang an auf sinnvolle Berührungspunkte zwischen realem und digitalem Raum, auf mögliche Spiegelungen des Analogen im digitalen Raum sowie auf Schnittstellen zu anderen Produkten überprüft. Das Reale und das Digitale/Hybride werden konzeptionell zusammen gedacht. Die entstehenden Produkte (wie z. B. die interaktive Vermittlungsstation "Knastpost" oder die Online-Sammlung) generieren einen Mehrwert hinsichtlich der Kernaufgaben des Museums an sich – Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln – sowie der Kernaufgaben des DHMD und seiner strategischen Langziele. Bereits die ersten Konzepte, Texte, Budgetierungen, Kommunikationsplanungen etc. berücksichtigen reale und digitale/hybride Zugänge und deren Zielgruppen. Durch ihre nachhaltige Sicherung unterstützen digitale/hybride Angebote die Funktion des Museums als demokratischer Wissensspeicher. Dies betrifft auch die digitale Sammlungsarbeit: Die neuen technischen, konservatorischen und rechtlichen Fragen, welche genuin digitale Objekte (Born Digitals) mit sich bringen, werden geklärt, um auch diese Objekte professionell zu erfassen und zu speichern.

Das transparente Museum (Open Science, Open Access): Angesichts der Maxime, dass erarbeitete Wissensressourcen und alle weiteren Produkte möglichst vielen Menschen (unterschiedlicher Herkunft, an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Einschränkungen) barrierefrei zugänglich gemacht werden sollen, wird die Verwendung freier Lizenzen mit standardisierten Vertragstexten systematisch abteilungsübergreifend geprüft, erprobt und ggf. umgesetzt. Dabei muss im Kontext bestimmter Sammlungsobjekte und Ausstellungs-/Veranstaltungsthemen des DHMD (Propagandamaterial aus der NS-Zeit, Material mit Bezug zum menschlichen Körper) mit besonderer Sensibilität vorgegangen werden. Freie Software wird verstärkt eingesetzt und deren Entwicklung gefördert (Open Source).

Die im DHMD vorhandenen Kompetenzen im Umgang mit realen Angeboten, Objekten und Veranstaltungen werden von den Mitarbeiter:innen auch für den Umgang mit digitalen/hybriden Äquivalenten erworben. Die Optimierung der digitalen Infrastruktur, digitaler/hybrider Angebote und eines digitalen Publikums werden übergreifend gesteuert, unter Einbeziehung aller anderen Arbeitsbereiche.

 

Vision: Das hybride Museum – souverän und nachhaltig

Aufgrund seiner einzigartigen Inhalte (Themen, Objekte) und der Kompetenzen seiner Mitarbeiter:innen (dynamisch, inhaltlich reflektiert, fachlich versiert, hoher Identifikationsgrad) erreicht das DHMD im Digitalen und Hybriden jene Souveränität, die es auch bei anderen Querschnittsaufgaben erarbeitet hat, indem es die Kernposition gezielt, nachhaltig und wirtschaftlich umsetzt. 


Ziele

1. Erhöhung der Zugänglichkeit, der Interaktion und Partizipation

2. Verbesserung der Erlebnisqualität und der Inhaltsvermittlung, gezielte Dynamisierung

3. wechselseitige Bereicherung zwischen realem und digitalem Raum

4. Ermöglichung von Reflexion und Kritikfähigkeit

5. Erhöhung und Nutzung der Reichweite bestimmter Produkte

6. Online-Kommunikation als einheitliche Repräsentation des Museums und seiner Angebote

7. Zielgruppenerschließung im realen und digitalen Raum, Berücksichtigung bei Werbemaßnahmen

8. dauerhafte Zugänglichkeit der digitalen/hybriden Produkte (langfristig, mehrfach nutzbar)

9. Nutzung der Digitalisierung zur Langzeitarchivierung von Sammlungsobjekten, Medieninhalten und Born Digitals

Angestrebte Arbeitsabläufe und Standards 

• Potentialanalyse: Alle Programmangebote werden auf ihre digitalen/hybriden Potentiale und Schnittstellen zu anderen (digitalen) Produkten überprüft. 

 Reichweite: Alle Programmangebote werden hinsichtlich ihrer aktuellen und möglichen Zielgruppen überprüft und ggf. im digitalen Raum erweitert.

• Kalkulation: Digitale Bestandteile werden bereits in den ersten Konzepten, Texten, Budgetierungen, Kommunikationsplanungen etc. berücksichtigt. Es wird auch überprüft, welche Angebote im Gegenzug entfallen könnten. 

• Finanzierung: Für die digitalen Angebote werden Refinanzierungsmöglichkeiten und Bezahlmodelle entwickelt.

• Projektarbeit und -planung: Angesichts einer stärkeren Querschnittsausrichtung bei digitalen Produkten ist eine längerfristige Planung notwendig, die alle am Prozess Beteiligten von Anfang an einbindet und den realistischen Ressourcenbedarf berücksichtigt, unter Verwendung einer abteilungsübergreifenden Roadmap.

• Systematisierung: Exemplarische Prozessabläufe und technische Anforderungsprofile werden erarbeitet. 

• Evaluation: Die Nutzungszahlen aller digitalen/hybriden Angebote (Live-Zuschaltungen, Mediatheken, Website-Angebote und Traffic, Social Media) werden ebenso regelmäßig erfasst wie die analogen Besuche/Teilnahmen und hinsichtlich der strategischen Ziele sowie der entstandenen Kosten ausgewertet.

• Dokumentation: Die dauerhafte Sicherung digitaler Projekte wird gewährleistet.

• Kompetenzentwicklung: erfolgt durch Schulungen, Learning by Doing und durch die Berücksichtigung digitaler Kompetenzen in allen Bewerbungsprozessen. Ein externes digitales Kompetenznetzwerk wird aufgebaut. 

• Automatisierung: Potentiale digitaler Anwendungen und Abläufe werden überprüft und genutzt. 

• Sonder- und Aufbauprojekte: werden in allen Abteilungen definiert.

• Weiterentwicklung der Digitalen Position DHMD: Die Position wird 2021 erstmals veröffentlicht. Sie wird jährlich überprüft und angepasst verabschiedet.