Stolpersteine erinnern an jüdische Mitarbeitende
Verlegung am 29. September auf dem Museumsvorplatz – Gedenkfeier am 7. Oktober
Der Kopfstein verweist auf die Rolle des Museums als Instrument der rassistischen Politik während der NS-Diktatur. Er erinnert an die zahlreichen Mitarbeitenden und Vorstände, die 1933 entlassen und aus ihren Ämtern gedrängt wurden, weil sie von den Nationalsozialisten als jüdisch stigmatisiert wurden.
Gedenkfeier am 7. Oktober
Am Mittwoch, 7. Oktober 2026, werden um 14 Uhr an der Tischerstr. 5 drei weitere Stolpersteine für die Familie Rosenberger verlegt. Die Eltern Hermann und Lina sowie ihr Sohn Philipp wurden in unterschiedlichen Konzentrationslagern ermordet. Um 19:30 Uhr findet die öffentliche Gedenkfeier des Vereins Stolpersteine für Dresden im Marta-Fraenkel-Saal des Deutschen Hygiene-Museums Dresden statt. Kulturbürgermeisterin und Stiftungsratsvorsitzende des Museums Annekatrin Klepsch und Nachfahren der NS-Opfer aus aller Welt werden zu dieser Gelegenheit sprechen. Die Feierstunde ist öffentlich, der Eintritt frei.
Über die Initiative Stolpersteine in Dresden
Der Verein Stolpersteine für Dresden wurde 2009 gegründet. Er recherchiert die Biografien der NS-Opfer, organisiert die Verlegungen und hält Kontakt zu Angehörigen. In Dresden erinnern derzeit 417 Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus. Europaweit wurden inzwischen mehr als 130.000 Stolpersteine verlegt. Die Stolpersteine werden in der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnort, aber auch an Wirkungsstätten der Opfer verlegt. Initiiert wurde das Projekt durch den Berliner Künstler Gunter Demnig. 2024 verlegte Gunter Demnig eine erste Stolperschwelle am Alten Leipziger Bahnhof in Dresden, 2026 folgt nun der erste Kopfstein.
An folgende Menschen wird mit den Stolpersteinen vor dem Deutschen Hygiene-Museum erinnert.
- Dr. Marta Fraenkel (1896 – 1976): Medizinerin, ab 1929 in verschiedenen Leitungsfunktionen am Deutschen Hygiene-Museum tätig, u.a. Wissenschaftliche Geschäftsführerin der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung (1930/31) und Direktorin des Frauenreferats, 1938 in die USA emigriert
- Prof. Dr. Eugen Emanuel Galewsky (1864 – 1935): Dermatologe, Vorstand und wissenschaftlicher Beirat, gesellschaftlich geächtet, 1935 verstorben, mutmaßlich durch Suizid
- Dr. Otto Neustätter (1871 – 1943): Augenarzt, Vorstandsrat und wissenschaftlicher Beirat, 1937 in die USA emigriert
- Dr. Felix Popper (1858 – 1937): Jurist, Geschäftsführender Vorstand, gesellschaftlich geächtet, 1937 verstorben
- Dr. Walter Weisbach (1889 – 1962): Mediziner und Hygieniker, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Hygiene-Museums (1925-1927), Direktor der Hygiene-Akademie Dresden (1926 bis 1933), 1933 in die Niederlande emigriert, 1942 in das KZ Westerbork interniert, 1944 in das KZ Theresienstadt deportiert, 1945 befreit
- Julius Ferdinand Wollf (1871 – 1942): Chefredakteur und Mitverleger der Dresdner Neuesten Nachrichten (1903 – 1933), Vorstand und Förderer des Deutschen Hygiene-Museums, gesellschaftlich geächtet, 1942 Tod durch Suizid
Ein weiterer Stolperstein auf dem Museumsvorplatz erinnert an:
- Richard Lommatzsch (1880 – 1944): Bildhauer in den Werkstätten des Deutschen Hygiene-Museums, aus politischen Gründen 1933 von der Polizei verhört, aus politischen Gründen 1943 von der Gestapo verhaftet, 1944 an den Haftfolgen verstorben