Verlegung der Stolpersteine im Gedenken an ehemalige juedische Mitarbeiter von Deutsches Hygiene-Museum in Dresden am 29.09.2026 vorm DHMD . Foto: Oliver Killig

Stolpersteine erinnern an jüdische Mitarbeitende

Am 29. September 2026 wurden vor dem Deutschen Hygiene-Museum sieben Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an die zahlreichen Mitarbeitenden und Vorstände, die 1933 entlassen und aus ihren Ämtern gedrängt wurden, weil sie von den Nationalsozialisten als jüdisch stigmatisiert wurden. Unter ihnen sind die Medizinerin und Wissenschaftliche Geschäftsführerin der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung Marta Fraenkel und der Verleger und Förderer des Museums Julius Ferdinand Wollf.  

Erstmals in Dresden wurde vor dem DHMD auch ein Kopfstein verlegt, der an das Schicksal dieser Menschen erinnert und auf die Rolle des Museums als Instrument der rassistischen Politik während der NS-Diktatur hinweist.  

Die Stolpersteine erinnern an:

DR. MARTA FRAENKEL

DIREKTORIN DES

FRAUENREFERATS

JG. 1896

FLUCHT 1935 

BELGIEN

1938 USA

 

Marta Fraenkel wurde am 19. Dezember 1896 in Köln geboren, als Tochter des Kaufmanns Georg Fraenkel und seiner Frau Therese. Die jüdische Familie war liberal. Früh erlebte Marta schwere Verluste: 1909 starben ihr älterer Bruder Maximilian und ihr Vater, 1915 auch die Mutter. Mit ihrem Bruder Ernst zog sie daraufhin nach Frankfurt am Main, zu ihrem Onkel, dem bekannten Physiker Josef Epstein. Die Familie hatte keine Bindung mehr an die jüdische Gemeinde.

Nach dem Abitur studierte Marta Medizin in Frankfurt und Bonn. 1923 wurde sie promoviert und erhielt die Approbation. 

1924 lernte sie auf einem Kongress in Innsbruck den bekannten Kinderarzt und Sozialhygieniker Arthur Schloßmann kennen. Er holte sie nach Düsseldorf, um die große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen, kurz GeSoLei, vorzubereiten. 1925 wurde Marta Fraenkel zur Generalsekretärin ernannt. In dieser Rolle gestaltete sie die Ausstellung hauptverantwortlich mit und erstellte die Ausstellungskataloge. 1928 wechselte sie an das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden, um die II. Internationale Hygiene-Ausstellung vorzubereiten. 1929 wurde sie zur wissenschaftlichen Generalsekretärin berufen und gestaltete unter anderem die Ausstellungsbereiche „Das Krankenhaus“, „Die Frau in Familie und Beruf“ sowie „Arbeits- und Gewerbehygiene“ mit. 1931 wurde sie zur Direktorin des Frauenreferats ernannt und kuratierte verschiedene Ausstellungen. 

Marta Fraenkel war eng mit Julius Ferdinand Wollf und seiner Frau befreundet. Über sie lernte sie Theodor Schulze kennen, Wollfs Stellvertreter bei den Dresdner Neuesten Nachrichten. 1931 heirateten die beiden.

1933 wurde Marta Fraenkel vom Hygienemuseum entlassen, sie verlor damit sämtliche Funktionen und ihre Bezüge. Im Januar 1935 ging sie nach Brüssel und arbeitete dort für die „Ligue Nationale Belge Contre le Cancer“. Im selben Jahr ließ sich Theodor Schulze vermutlich aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen von ihr scheiden. 

Von ihrem Gehalt in Brüssel konnte Marta Fraenkel kaum leben, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekam sie nicht. 1938 wanderte sie in die USA aus. In New York fand sie eine Stelle beim Welfare Council. 1944 wurde sie medizinische Beraterin der US-Regierung in Washington. Ab 1949 arbeitete sie wieder in New York im öffentlichen Gesundheitsdienst, bis zu ihrer Pensionierung 1965.  

Ihr Bruder Ernst kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück und wurde ein angesehener Völkerrechtler. Marta besuchte ihn mehrfach in Berlin, zurückkehren wollte sie aber nicht. Nach Dresden kam sie nie wieder. Marta Fraenkel starb am 9. August 1976 in New York.Marta Fraenkel starb am 9. August 1976 in New York City.