Die Gläserne Kuh, die Gläserne Frau, das Gläserne Pferd und der Gläserne Mann in einem weißen Raum mit gehängten Bildern im Hintergrund.

Gläserne Figuren: Ausstellungsikonen des 20. Jahrhunderts

Ein interdisziplinäres Forschungskolleg zur langfristigen Bewahrung von Objekten aus Kunststoff

Das Projekt

Das  Forschungsprojekt (November 2016 bis April 2020) wird vom Deutschen Hygiene-Museum gemeinsam mit dem Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Professur für Organische Chemie der Polymere der Technischen Universität Dresden sowie dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der Technischen Hochschule Köln bearbeitet.

Primäres Ziel ist die Sicherung des langfristigen Erhalts der unterschiedlichen „Gläsernen Figuren“ in der Sammlung des Deutschen Hygiene-Museums, zu der unter anderem zwei Gläserne Männer, eine Gläserne Frau als Dauerleihgabe des Deutschen Historischen Museums Berlin, eine Gläserne Schwangere sowie eine Gläserne Kuh gehören. Die Objekte können über die Online-Datenbank des Museums eingesehen werden.

Die „Gläsernen Figuren“ sind die bekanntesten Objekte aus der Produktion des Deutschen Hygiene-Museums und wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts in unterschiedlichsten Ausstellungsformaten einem Millionenpublikum präsentiert. Bis heute sind sie als Schlüsselobjekte in der Dauerausstellung des Deutschen Hygiene-Museums zu sehen. Inzwischen zeigen die unterschiedlichen „Gläsernen Figuren“ jedoch schwerwiegende Schadensphänomene, für die bislang keine erprobten Konservierungs- und Restaurierungskonzepte vorliegen. Denn die z.T. schnell ablaufenden Alterungsprozesse der im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten synthetischen Materialien sind noch nicht ausreichend erforscht. Zudem fehlt bislang eine intensive Auseinandersetzung mit der Herstellungs-, Ausstellungs- und Rezeptionsgeschichte der „Gläsernen Figuren“, die aus restaurierungsethischer Perspektive die Möglichkeiten und Grenzen einer Restaurierung aufzeigen könnte. Der langfristige Erhalt dieser aufsehenerregenden Körpermodelle erscheint vor diesem Hintergrund derzeit nicht möglich.

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungskollegs soll daher ein wissenschaftlich begründetes, tragfähiges Konservierungs- und Restaurierungskonzept entstehen, das den langfristigen Erhalt und damit die Ausstellbarkeit der unterschiedlichen „Gläsernen Figuren“ sichert und auch auf andere museale Sammlungen übertragen werden kann.

KUNSTSTOFFE FÜR DIE EWIGKEIT ? GLÄSERNE FIGUREN UND ANDERE AUSSTELLUNGSIKONEN ERFORSCHEN UND ERHALTEN

Internationale Abschlusstagung

19. bis 20. September 2019

 

Deutsches Hygiene-Museum, Marta-Fraenkel-Saal

Mit Simultanübersetzung Deutsch – Englisch, Englisch – Deutsch 

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden die unterschiedlichsten Gegenstände aus Kunststoffen auf der Basis von Cellulose gefertigt. Zahlreiche dieser Objekte werden heute auch in musealen Sammlungen aufbewahrt. Neben massenhaft hergestellten Alltagsprodukten wie Kämmen, Brillen oder Handtaschen entstanden aber auch Kunstwerke mit Cellulose-Kunststoffen, beispielsweise Arbeiten des russischen Bildhauers Naum Gabo. Die damals neuen Werkstoffe wurden auch von Natur-, Sozial- und Technikmuseen verwendet, um Ausstellungsobjekte herzustellen, die sie als aufsehenerregende „technische Meisterwerke“ präsentierten. Heute stellen Cellulose-Kunststoffe jedoch eine besondere Herausforderung hinsichtlich ihres langfristigen Erhalts dar. Ihre Alterung schreitet schnell voran und an vielen der historischen Objekte werden inzwischen massive Schäden sichtbar. Zahlreiche wertvolle Kunst- und Kulturgüter sind daher innerhalb der nächsten Jahrzehnte von der vollkommenen Zersetzung bedroht – durch allgemeine Alterungsprozesse, falsche Lagerungsbedingungen oder aufgrund nicht vorhandener Restaurierungs- und Konservierungsmöglichkeiten.

Die internationale Abschlusstagung Kunststoffe für die Ewigkeit? Gläserne Figuren und andere Ausstellungsikonen erforschen und erhalten dient dem interdisziplinären Austausch über historische, materialwissenschaftliche und konservatorisch-restauratorische Aspekte von musealen Objekten aus cellulosebasierten Kunststoffen. Während der Fokus aus konservierungswissenschaftlicher Perspektive auf der Erforschung von Alterungsverhalten und Restaurierungsmöglichkeiten liegt, wird aus historischer Sicht die Herstellungs-, Ausstellungs- und Sammlungsgeschichte dieser seinerzeit neuartigen Ausstellungsobjekte untersucht.

Die Tagung richtet sich vor allem an Restaurator*innen, Geistes-, Natur- und Konservierungswissenschaftler*innen, Museumsfachleute und Sammlungsbetreuer*innen, die sich über die neuen Erkenntnisse einer interdisziplinär ausgerichteten Kunststoffforschung informieren wollen.

Veranstalter

Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Professur für Organische Chemie der Polymere der Technischen Universität Dresden

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der Technischen Hochschule Köln

Programm

19. September, Donnerstag

Begrüßung

ab 8.30 Uhr: Anmeldung

9.00 Uhr: Begrüßung und Einführung

Prof. Klaus Vogel, Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Susanne Roeßiger, Deutsches Hygiene-Museum Dresden

 

 

Auftakt: Historische Kunststoffobjekte als Kulturgüter begreifen, sammeln und erforschen

Moderation: Prof. Dr. Ursula Haller, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

9:15 bis 9:30 Uhr: Kunststoffe in Form - Designgeschichte als Werkstoffgeschichte

Dr. Wolfgang Schepers, Kunststoff-Museums-Verein e.V., Oberhausen

 

9:30 bis 9:45 Uhr: Kunststoffe als Forschungsgegenstand der Konservierungswissenschaft

Prof. Dr. Friederike Waentig, Technische Hochschule Köln

 

10 bis 10:30 Uhr: Kaffeepause

 

Panel 1: Historische Ausstellungsikonen aus Kunststoff

Moderation: Susanne Roeßiger, Deutsches Hygiene-Museum Dresden


10:30 bis 11 Uhr: Transparent Women: Local and Global Museum Histories

Dr. Karen Rader, Virginia Commonwealth University, Richmond

 

11 bis 11:30 Uhr: Die „Gläsernen Figuren“ aus Dresden und Köln im Systemwettstreit 1949–1990

Dr. Christian Sammer, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

 

11:30 bis 12 Uhr: Utopische Dimension des Transparenzbegriffs: Designikonen aus Kunststoff

Dr. Julia Bulk, Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung, Bremen

 

12 bis 12:30 Uhr: Das moderne Kunststoffhaus für den modernen Menschen

Dr. Pamela Voigt, BAKU - Bauen mit Kunststoffen, Leipzig

 

12:45 bis 14 Uhr: Mittagessen

 

 

Panel 2: Historische Kunststoffobjekte aus Celluloseestern konservieren und restaurieren

Moderation: Prof. Dr. Ursula Haller, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

14 bis 14:30 Uhr: Die Komplexität der Gläsernen Figuren - Schadenserfassung und Entwicklung von Konservierungskonzepten für die vielschichtig verflochtenen Objekte

Maria Lörzel, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

14:30 bis 15 Uhr: Facing Challenges: Investigations into the Conservation of Cellulose Ester Objects

Anna Laganà, Getty Conservation Institute, Los Angeles

 

15 bis 15:30 Uhr: Masse - Unikate - Dokumente. 5000 Zahnbürsten im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau

Margrit Bormann, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau

 

15:30 bis 16 Uhr: Umgang mit Filmmaterial aus Cellulosekunststoffen im Deutschen Filminstitut

Anke Mebold, DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt a. M.

 

16:15 Uhr bis 16:45 Uhr Kaffeepause


17 bis 18 Uhr: Führungen durch die Dauer- und Sonderausstellung

 

18:15 bis 19:30 Uhr: Abendessen

 

 

19:30 Uhr: Öffentliche Abendveranstaltung: Was tun mit alternden Objekten - erforschen, ausstellen, aussondern, erneuern?

Podiumsdiskussion u.a. mit Prof. Dr. Angela Matyssek (Hochschule für Bildende Künste Dresden), Prof. Johannes Vogel (Museum für Naturkunde Berlin), Prof. Klaus Vogel (Deutsches Hygiene-Museum Dresden), Dr. Sabine Witt (Deutsches Historisches Museum, Berlin), Suzan de Groot (Cultural Heritage Agency of the Netherlands, Amsterdam)

 

 

20. September, Freitag

Panel 3: Alterungsprozesse verstehen und verlangsamen: Möglichkeiten und Grenzen

Moderation: Prof. Dr. Christoph Herm, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

9 bis 9:30 Uhr: Der Einfluss von Klimabedingungen auf die Degradation von Celluloseacetat

Benjamin Kemper, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

9:30 bis 10 Uhr: Die Alterung und Bewahrung von 3D-Objekten aus Cellulosenitrat: Möglichkeiten und Grenzen

Christina Elsässer, Deutsches Museum, München

 

10 bis 10:30 Uhr: Research into the conservation of plastics in museum collections: the use of artificial ageing

Suzan de Groot, Cultural Heritage Agency of the Netherlands, Amsterdam

 

10:30 bis 11 Uhr: Identification of harmful substances and characterization of Elastomers by Thermal Analysis

Erich Jelen, Fraunhofer-Institute for Environmental, Safety and Energy Technology UMSICHT, Oberhausen

 

11:15 bis 12 Uhr: Mittagsimbiss

 

 

Panel 4: Kunststoffforschung aktuell

Moderation: Prof. Dr. Friederike Waentig, Technische Hochschule Köln

 

12 bis 12:15 Uhr: Empfehlungen zum Umgang mit Objekten aus Celluloseacetat

Benjamin Kemper/Maria Lörzel, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

12:15 bis 12:30 Uhr: COMPLEX: The Degradation of Complex Modern Polymeric Objects in Heritage Collections: A System Dynamics Approach

Dr. Katherine Curran, University College London

 

12:30 bis 12:45 Uhr: 

A national framework for managing malignant plastics in museum collections (the PolyMuse project in Australia)

Dr. Petronella Nel, University of Melbourne

 

12:45 bis 13 Uhr: Facetten einer Sammlung. Forschung zur Farbigkeit früher Kunststoffe anhand eines Bestands des Technischen Museums Wien

Anne Biber, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

13 bis 13:15 Uhr: Materials in Motion. A research project on animation artwork conservation

Aafke Weller, EYE Filmmuseum, Amsterdam

 

13:30 Uhr: Resümee / Verabschiedung

Galerie

Im Juli 2018 filmte ein Drehteam für die ARD-Sendung "W wie Wissen" (Thema: Spuren, die wir hinterlassen) im Sammlungsdepot und interviewte Projektbeteiligte.
Anfang September 2017 wurde die Gläserne Kuh, die im Themenraum "Essen und Trinken" der Dauerausstellung ausgestellt ist, auf Schäden und Alterungsspuren untersucht. Innerhalb des Forschungsprojekts werden insbesondere der Alterungsprozess und konservatorische Maßnahmenkataloge für Kunststoffobjekte aus Celluloseacetat erforscht. Celluloseceatat wurde vielfach für die Herstellung der transparenten Außenhaut und inneren Organe der Gläsernen Figuren verwendet – auch bei der Gläsernen Kuh.
Anfang Februar 2018 untersuchte das Projektteam auch die Gläserne Frau, die als Dauerleihgabe des Deutschen Historischen Museums Berlin im ersten Raum der Dauerausstellung zu sehen ist. Bei der Figur von 1935/36 handelt es sich um einen der ältesten erhaltenen Gläsernen Menschen. Die Projektmitarbeiter vermaßen die Figur neu, machten Mikroskopaufnahmen und entnahmen Materialproben.
Zum Auftakt des Forschungsprojekts fand am 20. Juni 2017 ein Workshop mit Vertretern internationaler Museen und Forschungseinrichtungen statt, darunter MitarbeiterInnen des Getty Conservation Institute Los Angeles, des Science Museums London, des Bergbaumuseums Bochum, der Neuen Sammlung München und des Deutschen Museums München. Neben einem Erfahrungsaustausch zum Umgang mit Kunststoffobjekten standen Fragen der Materialanalyse und Konservierung von Cellulose-Kunststoffen im Vordergrund.
Im Juli 2018 filmte ein Drehteam für die ARD-Sendung "W wie Wissen" (Thema: Spuren, die wir hinterlassen) im Sammlungsdepot und interviewte Projektbeteiligte.
Anfang September 2017 wurde die Gläserne Kuh, die im Themenraum "Essen und Trinken" der Dauerausstellung ausgestellt ist, auf Schäden und Alterungsspuren untersucht. Innerhalb des Forschungsprojekts werden insbesondere der Alterungsprozess und konservatorische Maßnahmenkataloge für Kunststoffobjekte aus Celluloseacetat erforscht. Celluloseceatat wurde vielfach für die Herstellung der transparenten Außenhaut und inneren Organe der Gläsernen Figuren verwendet – auch bei der Gläsernen Kuh.
Anfang Februar 2018 untersuchte das Projektteam auch die Gläserne Frau, die als Dauerleihgabe des Deutschen Historischen Museums Berlin im ersten Raum der Dauerausstellung zu sehen ist. Bei der Figur von 1935/36 handelt es sich um einen der ältesten erhaltenen Gläsernen Menschen. Die Projektmitarbeiter vermaßen die Figur neu, machten Mikroskopaufnahmen und entnahmen Materialproben.
Zum Auftakt des Forschungsprojekts fand am 20. Juni 2017 ein Workshop mit Vertretern internationaler Museen und Forschungseinrichtungen statt, darunter MitarbeiterInnen des Getty Conservation Institute Los Angeles, des Science Museums London, des Bergbaumuseums Bochum, der Neuen Sammlung München und des Deutschen Museums München. Neben einem Erfahrungsaustausch zum Umgang mit Kunststoffobjekten standen Fragen der Materialanalyse und Konservierung von Cellulose-Kunststoffen im Vordergrund.