Rückansicht des Hauptgebäudes vom Innhof. Blick an der Fassade entlang in Richtung des leicht bewölkten Himmels.

Heiter bis wolkig: Zur Wiedereröffnung der Museen

Die Aussichten: Heiter bis wolkig. Zur Wiederöffnung der Museen am 4. Mai 2020

DHMD-Direktor Prof. Klaus Vogel zur Wiederöffnung der Museen am 4. Mai 2020

Wir machen den Anfang: Während andere kulturelle Angebote wie Theater oder Konzerte durch die große Publikumskonzentration einstweilen noch nicht wieder zugänglich sind, werden die Museen in Deutschland ab Anfang Mai wieder für ihre Besucher*innen öffnen können.

Tatsächlich werden zu diesem Zeitpunkt aber längst nicht alle Häuser mit allen Angeboten wie­der zur Verfügung stehen. "Zusperren ist einfacher als Aufsperren" - so stand es dieser Tage in der Ankündigung eines internetbasierten Vortrags für Museumsfachleute. Der Satz ist zwar arg verkürzt, aber unsere bisher gemachten Erfahrungen bestätigten die zugespitzte Aussage.  

Das "Aufsperren" gestaltet sich z.B. bei Sonderausstellungen besonders schwierig, die gerade in der intensiven Vorbereitungsphase steckten, als die Schließungsanordnung wirksam wurde. Der Leihverkehr mit den kostbaren Exponaten etwa kann nicht von heute auf morgen wieder gestar­tet werden, es sind neue Verabredungen mit den Leihgebern zu treffen.

Besonders sind vom lock-down, und von den nun gelten Regelungen, diejenigen Museen betrof­fen, die einem ausdrücklichen Wunsch großer Teile des Publikums entsprechend, eine Vielzahl von hands-on-Exponaten eingerichtet haben, die meist mit taktilen Elementen arbeiten. Auch Kopfhörer, Touchscreens, Tastaturen und ähnliches stehen in Corona-Zeiten unter Generalver­dacht. Eine Wiederöffnung ergibt hier mitunter keinen Sinn, weil große Teile der Präsentation nicht benutzbar sind. Dies trifft, wohl bis auf weiteres, auch auf das Dresdner Kinder-Museum zu – eines unserer beliebtesten Angebote. Im Ergebnis werden Museen vermutlich ihre ständigen Angebote vergleichsweise einfach wieder öffnen können - je klassischer die Präsentation, desto unkomplizierter. Wenngleich in jedem Fall mit erheblichen Einschränkungen.

Die Beschäftigten in den Museen sehen dem Neustart mit ganz unterschiedlichen Erwartungen, entgegen, bei denen die freudigen und positiven überwiegen. Aber, auch diese Meinung gibt es: Manche Kolleg*innen halten die Öffnung für weit verfrüht. Gemischte Gefühle gibt es auch aus einem weiteren Grund, denn: Werden überhaupt in nennenswerter Zahl Besucher*innen in die Museen kommen? Haben die Menschen in ihrem durch die Pandemie beeinträchtigen Alltag überhaupt genügend Muße? Steht nicht bei vielen viel Exsistenzielleres im Vordergrund? Oder ist es umgekehrt so, dass Viele sich nach Abwechslung, nach Anregung, Bildung und Erleben sehnen?  

Was das Erleben angeht, wird der Museumsbesuch doch deutlich anders als bisher verlaufen müssen. Die pandemiebedingten Reglementierungen, insbesondere das Abstandsgebot und der obligatorische Mund-Nasen-Schutz stellen eine, subjektiv vielleicht unterschiedlich empfun­dene, aber doch immer präsente Einschränkung dar. Doch muss die Frage erlaubt sein, ob ein weiter verschlossenes Museum nicht die größere Einschränkung darstellen würde. Umso mehr, als die angeordneten Schutzmaßnahmen wohl bis zur Erzielung eines therapeutischen Durch­bruchs andauern werden. Wir bauen jedenfalls auf unsere treuen Gäste, insbesondere aus Dresden und Umgebung.

Schon jetzt ist klar, dass ein wichtiger Teil der Besucherschaft, zumindest bei den einschlägig bekannten Museen, einstweilen noch nicht wiederkommen wird: Junge Menschen, Schülerin­nen und Schüler im Klassenverband. Die Schulbehörden haben Ausflüge und Museumsbesuche für dieses Schuljahr untersagt. Doch wird es im Herbst, im neuen Schuljahr anders wer­den? Herrscht an den Schulen dann wieder einigermaßen “Normalbetrieb”? 

In den Museen jedenfalls ist der Normalbetrieb erst einmal vorbei. Schutzmaßnahmen für die Besucher sind das eine, Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten das andere. Dazu kom­men notwendige Verstärkungen beim Einlasspersonal sowie beim Reinigungsperso­nal (Desinfektionen), ein verändertes Ticket-Regime, bauliche und organisatorische Veränderun­gen (Einbahnverkehr, Ausschilderungen) - alles verbunden mit weiteren Regelungen und nicht zuletzt: erheblichen finanziellen Belastungen. 

Museen bestehen aber nicht nur aus den Ausstellungen und Schausammlungen. Museen sind Orte für Veranstaltungen, Museen haben attraktive Cafés und sind, ganz allgemein, Treffpunkte, soziale Orte. Gerade diese Funktion der Museen wird einstweilen nicht oder nur rudimentär möglich sein. Auch die schönsten, attraktivsten digitalen Rundgänge können diesen Charakter des Museums als Treffpunkt und Forum nicht wirklich ersetzen. Gleichwohl: Unser Veranstal­tungsprogramm stellt sich den neuen Anforderungen mit attraktiven Angeboten.

Wir im DHMD sind zuversichtlich, dass "unsere" Besucher "ihr" Museum trotzdem besuchen werden, allen lästigen Einschränkungen zum Trotz. Wir werden das Unsrige tun, um die Ver­bind­ung nicht abreißen zu lassen. Und überhaupt: Wir Museumsleute sind gut beraten, wenn wir bei einem hoffentlich recht bald wieder normalisiertem Betriebsregime das herausar­beiten und verstärken, was die Museen ganz einzigartig macht: die Unmittel­bar­keit der Erfahr­ung, die räumliche Wahrnehmung und das soziale, gemeinsame Erleben. Das jedenfalls ist unser vorläufiges Fazit.