Geteilte Heimaten Deutschland und Europa als interkulturelle Erfahrungsräume

Kongress vom 2. bis 4. November 2020 in Dresden

Einführung

Eine Veranstaltung des Deutschen Hygiene-Museums in Kooperation mit der Landeshauptstadt Dresden, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen, dem Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) an der Technischen Universität Dresden, dem Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland, der Kulturpolitischen Gesellschaft und „Debates on Europe“


Mit: Bilgin Ayata, Naika Foroutan, Lena Gorelik, Basil Kerski, Thomas Oberender, Paul Scheffer, Jana Simon, Hans Vorländer und vielen weiteren Gästen

Gibt es im Jahr 2020 eine deutsche und europäische „Einheit in Vielfalt“? Anlässlich des 30. Jahrestages der Wiedervereinigung von Ost und West untersucht der Dresdner Kongress „Geteilte Heimaten“, welche Verwerfungen und Polarisierungsprozesse Deutschland und Europa gegenwärtig kennzeichnen. Er interessiert sich für das, was uns teilt, aber auch für das, was wir miteinander teilen. Entlang der Konfliktlinien um die Themen Migration, Ost und West sowie Stadt und Land nehmen die Kongressbeiträge insbesondere die Rolle von Kunst und Kultur  in ihrer doppelten Funktion in den Blick: als Ausdrucksform von Differenzen und als Medium für eine gesellschaftliche Verständigung angesichts pluraler biografischer und historischer Erfahrungen.

Die deutschen Entwicklungen setzt der Kongress in den größeren Kontext eines (wieder-)vereinten und zugleich gespaltenen Europas: Denn Fragen des Wieder- bzw. Neu-Zusammenkommens und des gesellschaftlichen Zusammenhalts über kulturelle und gesellschaftliche Differenz hinweg stellen sich auch auf europäischer Ebene.

Das 3-tägige Kongressprogramm bringt Akteur*innen aus Kultur, Kunst, Bildung, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Neben interdisziplinären wissenschaftlichen Vorträgen und Podiumsgesprächen suchen auch künstlerische und kulturelle Beiträge sowie Workshops und partizipative Gesprächsformate Antworten nach den Möglichkeiten eines Zusammenlebens in Vielfalt im vereinten Deutschland und Europa.

Der Kongress findet als Präsenzveranstaltung statt. Ein Teil der Podiumsgespräche wird per Livestream übertragen.

 

Programmflyer zum Download



Programm

Montag, 2. November


13 Uhr

Anreise und Registrierung
 

14 Uhr  

Eröffnung des Kongresses
Grußworte der Veranstalter und Partner
 

14:45 Uhr

Impulsvortrag: Zum Stand der deutschen und europäischen Einheit. Ein Lagebericht  
Referent: Basil Kerski, Politikwissenschaftler und Autor, Direktor des Solidarność-Zentrums Danzig  
 

15:30 Uhr

Kaffeepause
 

16 Uhr

Impulsvortrag: Wer sind "wir"? Wo ist „Heimat“?
Referentin: Lena Gorelik, Journalistin und Autorin  
 

16:30 Uhr

Podiumsgespräch: Was wir teilen, was uns teilt. Zusammenhalt und Verwerfungen in Ost und West 30 Jahre danach.  
Referent*innen: Lena Gorelik; Basil Kerski, Jana Simon, Journalistin; Prof. Dr. Hans Vorländer, Politikwissenschaftler, MIDEM, Technische Universität Dresden
Moderation: Ilka Brecht, Redakteurin und Moderatorin  
Das Eröffnungspodium nimmt eine Bestandaufnahme vor: Wie steht es 30 Jahre nach der Wiedervereinigung um den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Gibt es nach der „Wende“ und dem Zerfall des Ostblocks eine gesamtdeutsche (oder gar eine europäische) Identität? Wer gehört dazu, wer fühlt sich zugehörig? Welche sozialen, kulturellen und politischen Spaltungen und Verwerfungen sind dominant?
 

18 Uhr
Abendimbiss
 

19:30 Uhr  

Abendprogramm  
Möglichkeit zum Besuch der Inszenierung Gundermann: alle oder keiner. Eine Revue über Helden, Gras und Kohle des Staatsschauspiels Dresden
(Freikartenkontingent für die Kongressteilnehmer*innen)

Dienstag, 3. November

 
9:30 Uhr
Eröffnung des Kongresstages
 

10 Uhr

WAHLPANELS:
 
1. Geteilt, geeint, gespalten - Politische Kulturen in Ost und West
Referent*innen: Andreas Bialas, Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion NRW und Vizepräsident der Kulturpolitischen Gesellschaft; Sanem Kleff, Pädagogin und Vorstandsvorsitzende der Aktion Courage, Berlin; Prof. Dr. Raj Kollmorgen, Soziologe, Hochschule Zittau/Görlitz; Ayman Qasarwa, Geschäftsführer des Dachverbands der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst)
Moderation: Dr. Susanne Kailitz, Journalistin

Mit Blick auf politische, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen sind 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer deutliche Unterschiede zwischen Ost und West feststellbar. Wie sind diese zu erklären? Welche Probleme sind in den vergangenen Jahren sichtbar geworden? Wo stehen wir heute und wie wird sich das Ost-West Verhältnis entwickeln?
 
2. Diskursfeld Migration – Erfahrungen aus Dresden im Kontext
Referent*innen: Dr. Maik Herold, Politikwissenschaftler, Technische Universität Dresden; Dr. Noa K. Ha, Stadtsoziologin, DeZIM-Institut Berlin; Emiliano Chaimite, Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen; Luise Börner, Musikpädagogin, Musaik - Grenzenlos Musizieren e.V.
Moderation: Kristina Daniels, Geschäftsführerin Kolibri e.V. Dresden

Wie kein anderes Thema hat Migration in den vergangenen Jahren die öffentlichen Debatten in Deutschland und Europa bestimmt. Das Panel thematisiert Prozesse der Aushandlung von Zugehörigkeit und Identität in der heutigen Migrationsgesellschaft am Beispiel der Dresdner Erfahrungen. Wie werden neue Formen gemeinsamer Selbstbeschreibung gefunden? Welche Rolle spielen Kunst und Kultur dabei?
 
3. Zwischen Peripherie und Heimat - Zusammenhalt im ländlichen Raum
Referent*innen: Prof. Dr. Robert Knippschild, Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung; Miriam Tscholl, Regisseurin; sowie Vertreter*innen von Kulturprojekten im ländlichen Raum
Moderation: Andreas Tietze, Bildungsreferent Aktion Zivilcourage e.V.
Abwanderungsbewegungen vom Land in die Stadt führen nicht nur zu einer Veränderung regionaler Bevölkerungsstrukturen, sondern auch zu Verschiebungen der politischen Landschaft. Welche Strategien können einer wachsenden Spaltung zwischen Stadt und Land entgegenwirken? Welche Rolle spielen Kunst und Kultur für einen lebenswerten ländlichen Raum?
 

11:30 Uhr  

Mittagspause
 

12:30 Uhr

Dialogformate und Workshops: Geteilte Gesprächsräume
Der Kongress sucht Antworten auf die Frage, wie die gesellschaftliche Polarisierung überwunden und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden kann. Dies soll in Workshops und Gesprächsformaten praktisch erlebbar werden, in denen die zuvor besprochenen gesellschaftlichen Konfliktlinien aufgegriffen und bearbeitet werden.
 

PARALLEL STATTFINDENDE WORKSHOPS UND GESPRÄCHSFORMATE:


Workshop: DemoSlam - Format für Verständigung

Referent*innen: Evgeniya Sayko, Gründerin und Trainerin demoSlam; Felix Kröcher, Co-Trainer
 
Workshop: Krisen-Dialog-Zukunft: Kommunale Dialoge in Zeiten von Krisen und Umbrüchen
Referent*innen: Dr. Willi Hetze, Soziologe und David Gäbel, Soziologe, Technische Universität Dresden;  Co-Referentinnen: Dr. Cathleen Bochmann, Politikwissenschaftlerin, Technische Universität Dresden; Petra Schweizer-Strobel, Referentin, Aktion Zivilcourage e. V.
 
Workshop: Stereotypeabbau durch Ambiguitätstoleranz - Wenn interkulturelle Wertesysteme aufeinandertreffen

Referentin: Dana Ritzmann, Trainerin und Coach für interkulturelle Kompetenzen, Kolibri e. V.
 
Erzählsalon: Wie ich mit Kultur Menschen aus Ost und West zusammenbrachte
Referentin: Katrin Rohnstock, Inhaberin Rohnstock Biografien und Entwicklerin des Erzählsalons
 
Interkultureller Erzählsalon: Gestern, heute und wie weiter?
Referent*innen: Vertreter*innen des Dachverbandes der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland mit den Projekten Mi*story und EmpARDIO
 
Workshop: Wendekinder - Wendeeltern - Nachwendegenerationen: Chancen und Schwierigkeiten ostdeutscher Generationendialoge
Referentinnen: Juliane Dietrich, Sozialpädagogin, Biografiearbeit Dritte Generation Ostdeutschland und Kommunale Integrationskoordinatorin Königstein/Sachsen; Henriette Stapf, Kulturarbeiterin, Biografiearbeit Dritte Generation Ostdeutschland und Projektleiterin Biografie - Dialog – Generationen
 
Workshop: Wider alle Grenzen - Erzähl-Theater auf Basis realer Biographien

Referent*innen: Christian Schröter, Leiter der Bürger*innenBühne des Thespis Zentrums Bautzen mit Teilnehmern der Bürger*innenBühne
 
Workshop: "Come as you are" - ein Projekt der Banda Internationale. Musikpädagogische Arbeit im transkulturellen Raum
Referent: Arystan Petzold, Musikpädagoge und Musiker

Workshop: Eierkuchen = Pfannkuchen, aufschließen = absperren, Rempftel = Scherzel? Ein democraticArts' Praxisworkshop zu Identitäten in der Kunst
Referent*innen: Friederike Förster, künstlerische Leitung democraticArts, und democraticArts-Künstler*innen
 
Stadtführung: Dresdner Migrationsgeschichten. Rassismus die rote Karte zeigen
Referent: Saied Karabij, Student und Stadtführer bei querstadtein e. V., Dresden
 
Werkstattgespräch: Vielfalt ausstellen. Zur Neukonzeption des Raumes „Sexualitäten“ der Dauerausstellung im Deutschen Hygiene-Museum 
Referentinnen: Anina Falasca und Anamarija Tokic, Deutsches Hygiene-Museum Dresden
 
14:30 Uhr

Kaffeepause mit Projektvorstellungen und Büchertischen

14:30 Uhr
Künstlerischer Beitrag: "Be with...Vertragsarbeit"
Die Installation „Be with...“ bietet die Gelegenheit, mit sechs Dresdner*innen in ein Gespräch über ihre Verbindungen zu Vertragsarbeit in der DDR und ihre eigenen Wende- und Nachwendeerfahrungen zu kommen. In Form eines Speed Datings laden die Gastgeber*innen zu einem jeweils 15minütigen, sehr persönlichen Austausch; die gesamte Gesprächsrunde dauert 90 Minuten.
Mit Ibraimo Alberto, Emiliano Chaimite und weiteren Gastgeber*innen; Konzeption: Fang Yun Lo, Choreografin, Dresden/Taiwan, Fachberatung: Karimé Diallo, Dresden Postkolonial


16 Uhr

Podiumsgespräch: Geteilte Geschichte(n), geteilte Erinnerungen in Ost und West
Referent*innen: Jagoda Marinic, Schriftstellerin und Theaterautorin; Dr. Meron Mendel, Erziehungswissenschaftler, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank Frankfurt (Main); Andrea Mork, Kuratorin, Haus der Europäischen Geschichte Brüssel; Thomas Oberender, Dramaturg, Intendant der Berliner Festspiele
Moderation: Prof. Dr. Claudia Weber, Historikerin, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
Das Podiumsgespräch eröffnet einen Verständigungsprozess über „geteilte“ Geschichte(n) im vereinten Deutschland und Europa. Dabei kommen diejenigen zu Wort, die als Historiker*innen, Schriftsteller*innen, als Kulturschaffende in Theatern und Museen die Produktion historischer Erinnerung und Erzählungen (mit-)gestalten. Braucht das gesellschaftliche Zusammenwachsen eine gemeinsame historische Erinnerung? Wie kann diese vielstimmig erzählt werden?

 

18 Uhr
Abendprogramm mit Live-Musik, Führungen durch die aktuellen Ausstellungen „Future Food. Essen für die Welt von morgen“ und „Im Gefängnis. Vom Entzug der Freiheit“ des Deutschen Hygiene-Museums und internationalem Imbiss

Mittwoch, 4. November 2020

 
9:30 Uhr
Podiumsgespräch: Die Zukunft – Einheit in Vielfalt?
Referent*innen: Prof. Dr. Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin, DeZIM-Institut Berlin; Prof. Dr. Paul Scheffer, Soziologe, Universität Tilburg; und weitere Gäste
Moderation: Cornelius Pollmer, Journalist, Süddeutsche Zeitung
Am Abschlusstag werfen renommierte Sozial- und Politikwissenschaftler*innen einen Blick in die Zukunft. Wie wird es in den „geteilten Heimaten“ um den gesellschaftlichen Zusammenhalt bestellt sein? Droht 30 Jahre nach dem hoffnungsvollen Zusammenkommen ein Auseinanderbrechen unserer pluralen Gesellschaften? Das Streitgespräch begibt sich auf die Suche nach Bedingungen, Möglichkeiten und Visionen eines Zusammenlebens in Vielfalt – in Deutschland und in Europa.
 
11 Uhr  
Kaffeepause
 
11:30 Uhr
Debates on Europe: Zwischen Widerspruch und Verständigung. Kunst und Kultur in gespaltenen Gesellschaften
In englischer Sprache mit Simultanübersetzung
Referent*innen: Jan Carson, Schrftstellerin, Nordirland; Anna Lengyel, Dramaturgin und Regisseurin, Ungarn; Iryna Vidanava, Autorin und Medienaktivistin, Belarus
Moderator: Carl Henrik Fredriksson, Programmdirektor, Debates on Europe
Künstlerische Statements – sei es in den Bildkünsten, in Literatur oder Medien – können in der Gesellschaft eine kritische, aufklärende oder gar provokative Rolle übernehmen, sie bilden im besten Fall ein Korrektiv zu bedrückenden Machtverhältnissen und Einschränkungen der Gedankenfreiheit. Aber können Kunst und Kultur gesellschaftliche Auseinandersetzungen positiv beeinflussen und zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen? Sollte man ihnen überhaupt eine solche Rolle aufbürden? Darüber und über das Selbstverständnis von kulturellem Engagement im Spannungsfeld politisch-gesellschaftlicher Konflikte berichten und diskutieren prominente Akteurinnen und Aktivistinnen aus Nordirland, Ungarn und Belarus.


Debates on Europe: Between Critique and Cohesion. Art and Culture in Divided Societies
Language: English
A Debates on Europe panel featuring Jan Carson (writer, Northern Ireland), Anna Lengyel (dramaturge and director, Hungary) and Iryna Vidanava (author and media activist, Belarus)

Moderator: Carl Henrik Fredriksson (Programme Director, Debates on Europe)

Art and culture have a unique capacity to both describe and shape shared experience. Even create it. But cultural expression – be it in art, literature or the media – also fulfils a critical, controversial and provocative role in society, representing a corrective to power and a challenge to alleged consensus. What role can art and culture have in bridging divisions and contributing to social cohesion? Should it all be assigned such a task? In a panel discussion spanning European societies characterized by conflict and division – from Northern Ireland in the west, via Hungary, to Belarus in the east – prominent cultural actors and activists speak about the integrative force and critical potential of culture.

 

12:30 Uhr
Mittagspause
 

13:30 Uhr

Podiumsgespräch: Kunst, Kultur und Bildung zwischen gesellschaftlicher Polarisierung und Integrationsfunktion
Referent*innen: Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden; Tobias Knoblich, Beigeordneter für Kultur und Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Erfurt und Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft; Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung; Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar
Das abschließende Podiumsgespräch greift die Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten gesellschaftlichen Zusammenhalts auf und blickt dabei besonders auf die Rolle von Kultur und Bildung: Welche Rolle spielen diese in der Stärkung gesellschaftlichen Zusammenhalts? Müssen Kunst und Kultur integrativ wirken, oder sollen sie sich positionieren oder gar polarisieren? Wie können plurale Identitäten einbezogen und sichtbar gemacht werden?
 

15:00 Uhr

Resümee und Verabschiedung