Ein dichter Wald durch dessen Blätterdach sich das Licht bricht.

Waldgänge. Zwischen Märchen und Forstkultur mit Saskia Hennig von Lange und Thomas Kirchhoff

27. Nov, Mi., 19:00 bis 20:30 Uhr

Waldgänge. Zwischen Märchen und Forstkultur
mit Saskia Hennig von Lange und Thomas Kirchhoff

27. Nov, Mi., 19:00 bis 20:30 Uhr
Reihe: Naturkunde

Saskia Hennig von Lange, Schriftstellerin, Autorin des Romans Hier beginnt der Wald (Jung & Jung 2018)
Dr. Thomas Kirchhoff, Naturphilosoph, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg

Moderation: Dr. Solvejg Nitzke, Literaturwissenschaftlerin, Technische Universität Dresden

Der Wald übt auf den Menschen von jeher eine besondere Anziehungskraft aus. Die Möglichkeit seines Verschwindens beflügelt die Fantasie seit dem 19. Jahrhundert. Das Leben in der Wald-Wildnis, die Überschreitung der Grenze zur Wildnis und die moralischen Implikationen dieser Trennung werfen Fragen nach dem Umgang mit dem Wald und seiner Rolle in einer durchtechnisierten Welt auf. Viel mehr als ein zu regulierendes Dickicht, scheint der Wald ein Raum zu sein, der nicht nur die Phantasie beflügelt, sondern das Potenzial hat, Natur und Kultur neu miteinander in Beziehung zu setzen. Das Gespräch wird Vorstellungen vom Wald als ökonomische Ressource mit solchen konfrontieren, die in ihm noch immer das Wilde und Geheimnisvolle suchen und finden.

Saskia Hennig von Lange: In Hier beginnt der Wald, Saskia Hennig von Langes drittem Roman, flieht ein LkW-Fahrer vor seiner ungewollten Vaterschaft und verkriecht sich im Wald. Seine Erfahrung mit der unheimlichen Wildnis gleicht einer Identitätssuche.
Die mehrfach ausgezeichnete Saskia Hennig von Lange, 1976 geboren, veröffentlichte außerdem die Novelle Alles was draußen ist (2013) und den Roman Zurück zum Feuer (2014). Bereits hier beschäftigte sie sich mit dem Verhältnis von Natur und Kultur, den Grenzen und Schwellen dazwischen und der Frage, wie der Mensch sich dort bewegt und welche Bilder er sich davon macht. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Saskia Hennig von Lange an ihrer Dissertation zum Verhältnis von Bild, Rahmen und Körper in der spätmittelalterlichen Kunst.

Thomas Kirchhoff erforscht wissenschaftliche und lebensweltliche Naturauffassungen. Neben seiner PostDoc-Wissenschaftlerstelle an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. – Institut für interdisziplinäre Forschung (FEST) in Heidelberg ist er Privatdozent für »Theorie der Landschaft« an der Technischen Universität München. Zusammen mit Vera Vicenzotti und Annette Voigt gab er den Band Sehnsucht nach Natur. Über den Drang nach draußen in der heutigen Freizeitkultur heraus (transcript Verlag, 2015).


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ÜBER DIE REIHE:

An drei literarischen Abenden wollen wir erkunden, wie und was Menschen über die Natur erzählen. Was verrät der leidenschaftliche Forscherdrang über die Natur des Menschen selbst und über seine Kultur, mit der er Natur beobachtet, (be)schreibt und ordnet – oder zu bezwingen versucht? Was bekommt der Dichter in den Blick, was dem Botaniker verborgen bleibt und umgekehrt? Wie macht der Erzähler den Wald zum Schauplatz unheimlicher Erfahrungen, wo der Förster Vertrautheit durch die Beschreibung eines gut funktionierenden Organismus erzeugt? Welche Natur erfährt der Beobachter an jenen Grenzen, an denen Leben eigentlich aufhört: in eisigen Höhen oder in der Wüste?

In Kooperation mit Dr. Solvejg Nitzke, Literaturwissenschaftlerin, Technische Universität Dresden

Mit freundlicher Unterstützung