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Theorien zur Praxis: Machiavelli Oder ist Politik amoralisch?

24. Sep, Di., 19:00 bis 20:30 Uhr

Theorien zur Praxis: Machiavelli
Oder ist Politik amoralisch?

24. Sep, Di., 19:00 bis 20:30 Uhr

THEORIEN ZUR PRAXIS: Zweimal im Jahr stellen wir Theoretiker*innen vor, die unser Denken inspirieren und irritieren. Unter welchen historischen Bedingungen kamen ihre Theorien auf? Was machte sie erfolgreich? Was haben sie uns heute noch zu sagen?

"Machiavelli würde Boris Johnson beispielsweise empfehlen, den Brexit nicht von seinen eigenen Absichten her zu betrachten, sondern von seinen möglichen und wahrscheinlichen Folgen." Herfried Münkler

Politik und Moral – wie passt das zusammen in einer Zeit, in der Politiker*innen weltweit und auf offener Bühne ihre Machtspiele inszenieren. Ein Mangel an Moral ist ein rasch erhobener Vorwurf gegenüber dieser Art von Politik. Gleichzeitig ist moralisches Handeln keine Erwartung, die heute noch ernsthaft an die Politik herangetragen würde. Im Gegenteil: Allzu viel Moral wird eher mit einer gewissen Genervtheit abgestraft – Gutmenschentum eben. In der neuen Ausgabe von „Theorien zu Praxis“ soll analysiert werden, wie der skandalumwitterte Machttheoretiker Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) über diesen Grundkonflikt aller Staatlichkeit dachte.

In seiner Abhandlung Der Fürst entwickelte der Florentiner Philosoph, Politiker und Diplomat eine neuartige Vorstellung von Staatsräson, in der Politik und Moral strikt voneinander getrennt waren. Seine These: Wenn es dem Erhalt von Staat und Macht dient, müsse die politische Führung notfalls auch zu Gewalt, Grausamkeit und Täuschung bereit sein. Seither nehmen die Polemiken gegen diese vermeintlich skrupellose und amoralische Konzeption von Politik kein Ende. Während Friedrich der Große 1740 einen Anti-Machiavelli verfasste, beriefen sich Theoretiker wie Montesquieu, Hobbes, Rousseau, Carl Schmitt oder Hannah Arendt auch zustimmend auf den Pragmatiker der Macht.

In dieser Ausgabe von „Theorien zur Praxis“ spricht Philipp Felsch, Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler über das geistige Erbe Machiavellis. Mit Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz hat Münkler 2004 ein Standardwerk zum Thema des Abends geschrieben.


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