Die neue Mitte?

Rechte Ideologien und Bewegungen in Europa
17. Sep 2018 - 19. Sep 2018

Tagung mit Vorträgen und Praxisworkshops

Eine Tagung des Deutschen-Hygiene Museum Dresden in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Mercator Forum Migration und Demokratie an der TU Dresden, dem Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden, dem TRAWOS-Institut der Hochschule Görlitz/Zittau, dem Kulturbüro Sachsen e.V. und der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

EINFÜHRUNG

Die Bedrohung von rechts ist deutlich vielfältiger und divergenter geworden. Nicht mehr nur gewaltbereite Neonazis arbeiten an einer Erneuerung des deutschen Reiches, auch nationalkonservative Rechtspopulisten und völkische Nationalisten, Identitäre und Reichsbürger agitieren gegen die Bundesrepublik Deutschland, jeweils mit ganz eigenen Konzepten, Zielen und Strategien.

Das Ziel der Tagung ist es, diese Vielfalt zu thematisieren und zugleich nach den verbindenden Elementen zu suchen: Welche Ideologien bilden die Versatzstücke für die unterschiedlichen Welterklärungsmodelle und welche gemeinsamen Ziele verbinden die verschiedenen Aktionsfelder am rechten Rand der Gesellschaft? Wie beeinflussen gesellschaftliche Transformationsprozesse die Zustimmung und Ablehnung zu diesen Erklärungsmodellen und Bewegungen? Welche Wechselwirkungen gibt es über mediale Berichterstattung und mediale Vernetzung zwischen Gesellschaften und dem rechten Spektrum?

Mit einem breiten Angebot aus Vorträgen und Workshops richtet sich die Tagung vor allem an jene, die in ihren beruflichen und privaten Kontexten mit diesen Herausforderungen konfrontiert werden. Auf der Tagung erhalten sie Hintergrundinformationen zu den einzelnen Akteuren und Strukturen und lernen Strategien für ihre tägliche Arbeit kennen.


Die Tagung ist im sächsischen Fortbildungs-Onlinekatalog für Pädagog*innen unter der Veranstaltungsnummer EXT04294 als Fortbildung ausgewiesen.

Programm

17. September, Montag

Begrüßung

14.00 Uhr: Begrüßung und Einführung

Prof. Klaus Vogel, Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Thomas Krüger, Bundeszentrale für politische Bildung

Dr. Johannes Schütz, Deutsches Hygiene-Museum Dresden

PANEL I: AKTIONSFELDER

Zu Beginn der Tagung wird das gesamte Feld rechter Spieler in den Blick genommen. Es wird versucht, die Akteure und die Bewegungsformen anhand ihrer Weltbilder und Aktionsfelder zu differenzieren, zugleich aber auch die ideologischen Überschneidungen herauszuarbeiten und personale Netzwerke und Beziehungsmuster aufzudecken. Damit lassen sich die Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Querverbindungen rechter Akteure erfassen, um sie anschließend am Beispiel der Identitären Bewegung durchzugehen und konkret die Problematik der Vielfalt und Einheit rechter Akteure veranschaulichen zu können. 

 

14.30 Uhr: Neue Entwicklungen im Rechtsextremismus und Rechtspopulismus

Alexander Häusler, Sozialwissenschaftler, Hochschule Düsseldorf

 

15.45 Uhr: Kaffeepause

 

16.00 Uhr: Herausforderungen durch neue Akteure: Das Beispiel der Identitären Bewegung

Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin, Universität Wien

 

17.15 Uhr: Workshopphase I

Themen:

Die Identitären - Jugendbewegung der Neuen Rechten Natascha Strobl, Universität Wien

Rechte Akteure in deutschen Parlamenten Alexander Häusler, Hochschule Düsseldorf

„Bürgerproteste und Protestbürger“, Dr. Steven Schäller, Technische Universität Dresden

Die Bedeutung und Entwicklung der Reichsbürger Jan Rathje, Politikwissenschaftler, Amadeu-Antonio-Stiftung Berlin

Gewalt und Terrorismus von rechts: Entwicklungen seit dem öffentlichen Bekanntwerden des „NSU“ Dr. Matthias Quent, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena

Eine neue soziale Bewegung von rechts - Schulterschluss von Bürger*innen und Neonazis am Beispiel Sachsens Michael Nattke, Kulturbüro Sachsen Dresden

Was machen Neonazis? Ihre Position und Rolle in der aktuellen Entwicklung Andreas Speit, Hamburg

18. September, Dienstag

Panel II: Effekte sozialer Transformationen: Gesellschaft, Gemeinschaft, Individuum

Im zweiten Panel stehen die Ursachen im Mittelpunkt der Tagung. Was sind Faktoren, die die Entwicklung und Verbreitung von menschenfeindlichen Vorurteilen, exkludierenden Identitätsvorstellungen und Elitenverachtung stärken und die Bereitschaft zu symbolischer und physischer Gewalt steigern? Dabei soll ein Blick auf die Transformationsgesellschaften geworfen werden: Lässt sich der Zulauf zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien und Bewegungen in Europa und den USA durch die neoliberale Politik erklären? Welche Rolle spielt der Umbruch in den postkommunistischen Gesellschaften für das Erstarken des dortigen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus? Zugleich werden anhand von Detailstudien die individualpsychologischen Faktoren in den Blick genommen und spezifische Sozialisationserfahrungen und Vergemeinschaftungspraktiken als Möglichkeitsbedingungen für die Übernahme rechter Ideologien erörtert.

 

9:30 Uhr: Ökonomische Notwehr oder autoritäre Wende? Kontroversen um das Erstarken der neuen Rechten in Europa

Prof. Dr. Silke van Dyk, Soziologin, Universität Jena

 

10:45 Uhr: Ein Saatbeet für rechte Bewegungen in Ostmitteleuropa? Postkommunistische Gesellschaften im Vergleich

Prof. Dr. Raj Kollmorgen, Soziologe, Hochschule Görlitz/Zittau

 

12:00 Uhr Mittagspause

 

13:00 Uhr: Workshopphase II

Themen u.a.

Aus der Krise ... nach Rechts? Folgen ökonomischer und kultureller Deprivation in Europa Prof. Dr. Raj Kollmorgen, Hochschule Görlitz/Zittau

Die radikale Rechte in den postkommunistischen Gesellschaften – ein Ländervergleich Dr. Tatiana Golova, Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien Berlin

Identität oder Klasse? Über eine falsche Alternative in Zeiten des Rechtspopulismus Prof. Dr. Silke van Dyk, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Religion und Kirchen als Widersacher oder Komplizen des Rechtspopulismus? PD Dr. Oliver Hidalgo, Universität Regensburg

 

14:30 Uhr:

„Leistungen unserer Vorfahren?“ Zur Kritik des Rechtsextremismus aus transgenerationeller Perspektive

Dr. Jan Lohl, Sozialpsychologe, Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt am Main

 

15:45 Uhr: Kaffeepause

 

16:00 Uhr: Workshopphase III

Themen:

Sozialisations(muster) im Vergleich: Radikalisierung vor dem Hintergrund der individuellen Erfahrung Dr. Jan Lohl, Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt am Main

Neue Lebensfelder  – Das Wirken der Völkischen Siedler Marius Hellwig, Amadeu-Antonio-Stiftung Berlin

Probleme in der Praxis pädagogischer Institutionen der frühkindlichen Erziehung Julia Schuster/ Danilo Starosta, Kulturbüro Sachsen Dresden

Geschlechter- und Rollenbilder in der extremen Rechten Prof. Dr. Michaela Köttig, Fachhochschule Frankfurt am Main

Die Rechte in christlichen Gemeinschaften Liane Bednarz, Hamburg

"Nicht einfach nur Musik!" - RechtsRock als Multi-Tool der Neonazi-Szene Steffen Heerdegen, Mobit e.V. Erfurt

 

17:30 Uhr: Abendessen

 

19:00 Uhr: Öffentliche Abendveranstaltung:

Theorien zur Praxis: Theorien der Neuen Rechten

mit Prof. Dr. Philipp Felsch, Kultur- und Wissenschaftshistoriker, Humboldt-Universität zu Berlin und Danilo Scholz, Ideenhistoriker, École des hautes études en sciences sociales, Paris und Arne Vogelgesang, freier Autor, Regisseur und Gründer des Theaterlabels „internil“, Berlin

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19. September, Mittwoch

Panel III: Der Link zur Gesellschaft: Die Rechte und die Medien

Im dritten Panel werden die Kommunikationsformen behandelt, mit denen rechte Akteure nach innen und außen kommunizieren, aber auch diese, in denen die rechten Ränder thematisiert werden. Das Internet ist der Katalysator der extremen Rechten: Es bietet ihnen neue Verbreitungsmöglichkeiten für ihre Ideologien und ermöglicht die umfangreiche Vernetzung vielfältiger Akteure. Zum einen wird darüber informiert werden, über welche Kanäle sich die unterschiedlichen rechten Akteure verbinden und wie rechtspopulistische Parteien und rechtsextreme Kameradschaften die digitalen Medien zur Vernetzung und Inszenierung nutzen. Zum anderen soll aufgezeigt werden, wie die medial produzierten Bilder von der extremen Rechten zur Wahrnehmung und Aushandlung des Phänomens in der deutschen Gesellschaft beitragen.

 

9:00 Uhr: Politische Kommunikation im digitalen Zeitalter

Prof. Dr. Gerhard Vowe, Kommunikationswissenschaftler, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

 

10:15 Uhr: Medienhandeln von rechts: Entwicklung und Ausrichtung der rechten Medienlandschaft heute

Prof. Dr. Fabian Virchow, Sozialwissenschaftler, Hochschule Düsseldorf

 

11:30 Uhr: Kaffeepause

 

11:45 Uhr: Workshopphase IV

(A)soziale Medien: Hasskommentare im Internet als Radikalisierungsmoment Dr. Cornelia Mothes, Technische Universität Dresden

Über die Funktionen des rechten Medienangebots (print/online), Prof. Dr. Fabian Virchow, Hochschule Düsseldorf

Echokammern und Filterblasen: Vernetzung über social media Simone Rafael, Amadeu-Antonio-Stiftung Berlin

Kampf um die Straßen und Kampf um die Deutung: Verknüpfung von Demonstrationen, Bürgerprotesten und Kommentarspalten Dr. Sebastian Kurtenbach, Fachhochschule Münster

Fremd- und Selbstbilder rechter Akteure Arne Vogelgesang, Berlin

Zehn Regeln für erfolgreiche Kommunikation Prof. Dr. Gerhard Vowe, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

 

13:15 Uhr: Mittagessen

 

14:30 Uhr: Podiumsdiskussion u.a. mit Prof. Dr. Hans Vorländer, Politikwissenschaftler, Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologe, Ludwigs-Maximilian-Universität München (angefragt), Marco Wanderwitz, Mitglied des Deutschen Bundestages, Chemnitz/Berlin


16:00 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Rassismus“