Wetter machen
Von einem alten Traum zum globalen Dialog
Es ist ein alter Menschheitstraum, sich aus der Abhängigkeit von den Göttern oder dem blinden Wirken der Natur zu befreien und das Wetter selbst zu gestalten. Dieser Traum ist inzwischen auf fatale Weise Wirklichkeit geworden. Die vierte Abteilung zeigt die Welt in einer Versuchsanordnung, in der die Menschen sowohl Handelnde als auch Getriebene sind. Wird es uns gelingen, den Austausch mit der Atmosphäre so zu gestalten, dass die menschliche Zivilisation auf diesem Planeten fortgesetzt werden kann? Handelt es sich dabei um ein rein technisches Problem? Oder müssen ganz neue, global agierende politische und wissenschaftliche Institutionen entwickelt werden? Und: Was kann der Einzelne schon heute tun?
Es gab schon immer zahlreiche und ganz unterschiedlich motivierte Versuche, ein bestimmtes Wetter abzuwehren, es herbeizurufen oder auch ganze Klimate zu verändern. Die Methodik reicht von Appellen an Gottheiten bis hin zu den Versuchen, Wolken und ihr Abregnen für die wirtschaftliche oder militärische Nutzung zu steuern. Hinzu kommt eine Geschichte der Simulation von Wetter- und Klimaverhältnissen, etwa in der Produktion künstlicher Räume, und die Suche nach anderen bewohnbaren Atmosphären bis hin zur Idee des "Terraforming" - der Herstellung erdähnlicher Verhältnisse auf anderen Planeten
Heute realisiert sich der Traum vom Wettermachen offenbar anders als erhofft. Nur wenige Klimaforscher bezweifeln noch, dass der Klimawandel menschengemacht ist, viele halten ihn für menschenbedrohend. Der Begriff "Klimaschutz" weist in eine falsche Richtung: denn nicht von einer Gefährdung des Klimas sollte die Rede sein, sondern von einer Gefährdung der aktuellen Erdpopulation.
Vielleicht bleibt uns inzwischen gar nichts anderes mehr übrig, als das Wetter selbst zu "machen". Aber haben wir das notwendige Wissen, die Erfahrungen, die Institutionen, die dazu nötig wären? Neben der Aufgabe, das Wissen über den Klimawandel zu vermehren, geht es auch um den Umgang der Weltgesellschaft mit globalen Risiken, um den Einsatz und die Verteilung von Ressourcen, um Fragen der politischen und gesellschaftlichen Durchsetzbarkeit.
Ein wichtiger Bestandteil des vierten Raumes war eine Multimediainstallation mit Klimazeugen-Interviews. Diese Filme verdeutlichten, in welcher Form sich das Leben von Menschen aus verschiedensten Teilen der Erde durch die Erderwärmung verändert und oft auch bedroht wird. Ein Teil der Filme wurde uns freundlicherweise vom World Wide Fund for Nature (WWF) zur Verfügung gestellt. Einige dieser Interviews entstanden eigens für die Ausstellung. Der WWF hat das Projekt "Klimazeugen" bereits im Jahre 2005 ins Leben gerufen. Rund um den Globus, im Internet und auf Lobby-Veranstaltungen des WWF legen die Klimazeugen Zeugnis darüber ab, wo und wie der Klimawandel ihr Leben verändert. Sie berichteten von nachlassenden Regenfällen in Kenia, die den Anbau von Lebensmitteln extrem erschweren. Oder über Gegenden, die immer häufiger von Überschwemmungen betroffen sind, wo Menschen deshalb große Teile ihres Grundbesitzes verloren haben. Indem der WWF ihnen und ihren Geschichten ein Forum gibt, erhält der Klimawandel Gesichter und Stimmen. Er wird konkret und anschaulich.
Um sicher zu stellen, dass ihre Beobachtungen mit der Klimawissenschaft übereinstimmen, werden alle Berichte der Klimazeugen von Wissenschaftlichen Beirat des Klimazeugenprogramms kontrolliert. Darin sind 100 renommierte Klimaforscher aus allen Teilen der Welt versammelt.
Die Aussagen der Klimazeugen können auf der Internetseite von WWF International kommentiert werden. Wer selber in seinem Alltag Veränderungen in der Natur beobachtet, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen könnten, kann dies unter www.panda.org/climatewitness in eine Internetmaske eintragen und sich so beim WWF als Klimazeuge bewerben.