VEB Museum Das Deutsche Hygiene-Museum in der DDR

09. Mär 2024 - 17. Nov 2024

Über die Ausstellung

Schirmherrschaft

Carsten Schneider,
Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland

Kuratorinnen

Sandra Mühlenberend
Susanne Wernsing

Kuratorisch-wissenschaftliche Projektassistenzen

Rebekka Rinner
Si Cao, Beauftragte 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft
Thi Nga Nguyen, Werkstudentin

Ausstellungsgestaltung

Susanne Hopf, Szenenbildnerin
Mathis Neidhardt, Bühnenbildner

Installation Machtraum

Michael Birn, Bildender Künstler und Szenograf

Künstlerische Arbeiten u.a. von:

Andreas Borchert, Mahmoud Daddoub, Ingrid Griebel-Zietlow, Harald Hauswald, Thomas Heise, Martin Hoffmann, Eva Schulze-Knabe, Künstlergruppe Erfurt, Simon Menner, Willi Neubert, Alexander Neumann, Yael Reuveny, Andreas Rost, Ilse Ruppert, Annette Schröter, Maria Sewcz, Willi Sitte, Hartmut Staake, Jenny Wiegmann-Mucchi, Jürgen Wittdorf

Einführung

Was war das für ein Museum, an das sich viele Ostdeutsche bis heute erinnern können? Was kann seine DDR-Geschichte über die Gesellschaft und Arbeitswelt eines Staates erzählen, den es nicht mehr gibt? Welche Themen haben dieses 1912 gegründete Traditionshaus so attraktiv gemacht?

Erstmals behandelt eine Sonderausstellung diesen  Abschnitt der Museumsgeschichte – von der frühen Nachkriegszeit bis zur Neuausrichtung des Hauses in den 1990er Jahren. Dabei steht das vielschichtige Profil des Museums im Mittelpunkt, das für seine DDR-Phase charakteristisch war: Als staatliches „Institut für Gesundheitserziehung“ war es nämlich nicht nur ein gut besuchter Ausstellungsort, sondern gleichzeitig ein Produktionsbetrieb für anatomische Modelle und andere medizinische Lehr- und Aufklärungsmittel. Und nicht zuletzt wares auch ein „Klubhaus“, in dem kulturelle Veranstaltungen für seine und mit seinen Beschäftigten stattfanden.

Alltags- und Diktaturerfahrung in der DDR stehen heute in Ost und West erneut im Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten. Mit dem Rückblick in den Mikrokosmos des Dresdner Museums ermöglicht die Ausstellung ein generationsübergreifendes Gespräch über das Leben im sozialistischen deutschen Staat und über den Systemwechsel nach 1989. 

Die Ausstellung richtet sich gleichermaßen an ein Publikum mit ostdeutscher Sozialisation wie an Besucher:innen, denen die DDR aus eigenem Erleben nicht vertraut ist. Sie bietet unterschiedlichen Erinnerungen und aktuellen Kontroversen eine öffentliche Bühne und stellt auf diese Weise gängige Vorstellungen vom Leben in der DDR zur Diskussion. Zahlreiche Video-Interviews mit Zeitzeug:innen ergänzen die Ausstellung um individuelle Perspektiven auf ein wichtiges Kapitel der Museums- und Zeitgeschichte.

Die einzelnen Abteilungen der Ausstellung wurden aus zentralen Funktionsräumen des damaligen Produktionsbetriebs innerhalb des Museums abgeleitet. Drei renommierte Bühnen- und Szenenbildner:innen haben für den Rundgang in Form einer „Werksbesichtigung“ eine ganz eigene assoziative Bildsprache entwickelt.

I. Netzwerk

Die Wanderausstellungen und Lehrmittel des Deutschen Hygiene-Museums wurden weltweit vertrieben und erwirtschafteten für die DDR Devisen in erheblicher Größenordnung. Die umfangreiche Produktpalette, die Besuche von Delegationen aus aller Welt und die Aktivitäten der „Reisekader“ des Museums werden vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Außenpolitik der DDR behandelt. Mit einem Exkurs über die internationalen Beschäftigten am Museum, Vertragsarbeiter:innen in Dresden und Studierende aus befreundeten Ländern werden ostdeutsche Migrationsgeschichten sichtbar, die bis in die Gegenwart reichen.

II. Macht

Die Leitungsstrukturen waren von den politischen Machtkonstellationen in der DDR geprägt. Wie groß war der Einfluss der SED? Welche Schnittstellen gab es zwischen dem Museum und dem Ministerium für Staatssicherheit? Wo verliefen Grenzen und welche Freiräume konnten genutzt werden? Am Beispiel der Umweltverschmutzung wird gezeigt, wie das DHMD Themen aus politischen Gründen fallen ließ, die dann außerhalb des Museums mit zivilgesellschaftlichem Engagement behandelt wurden. Schließlich wird auch die Improvisations- und Reparaturkultur in der DDR in den Blick genommen, mit der angesichts der verbreiteten Materialknappheit nicht nur der Betrieb des DHMD am Laufen gehalten werden konnte. Die Belegschaften verfügten durch solche Kompetenzen über eine erhebliche Machtposition jenseits des offiziellen Hierarchiegefüges.

III. Produktion

In dieser Abteilung werden die Produktionsbedingungen und Arbeitsabläufe in den Werkstätten und Ateliers des Museums für das Publikum lebendig. Mit welchen Ressourcen wurden hier welche Produkte entwickelt und seriell hergestellt? Was prägte die sozialistische Arbeitskultur? Welchen gesellschaftlichen Stellenwert hatte die Qualität der Produkte? Die Ausstellung erläutert Prozesse,  Materialien und Wissen der verschiedenen Gewerke und stellt einige der damaligen Beschäftigten vor. 

IV. Klubhaus

Größere Produktionsbetriebe der DDR verfügten über ein eigenes Veranstaltungshaus für ihre Belegschaft, deren Familien und andere Interessierte. Auch das damalige DHMD kann als ein solches „Klubhaus“ verstanden werden: In seinen Räumlichkeiten wur-den nicht nur staatstragende Veranstaltungen abgehalten oder Gesundheitsaufklärungskampagnen vorgestellt, hier fanden auch unterschiedlichste kulturelle und gesellige Unternehmungen statt wie Schreibzirkel, Singeclubs oder Faschingsfeiern. Über diese Aktivitäten innerhalb des DHMD hinaus wird die offizielle, aber auch eigensinnige Klubkultur der DDR vorgestellt. Beispielhaft erinnert die Ausstellung an einige der prägenden Kulturereignisse im Dresden der 1980er Jahre.

Begleitprogramm

Führungen & mehr

Buchbare Ausstellungsführung

Das Deutsche Hygiene-Museum in der DDR

Sie haben in der DDR gelebt? Sie kennen die DDR aus Erzählungen? Für euch liegt das alles lange zurück? Wir schauen uns den aktuellen Stand der Teilfreilegung des Gerhard-Richter-Wandbildes an und laden ein zu einem gemeinsamen Ausstellungsbesuch sowie zu einem generationsübergreifenden Austausch über Erfahrungen und Sichtweisen. 

Dauer: ca. 1 Stunde / Buchung über den Besucherservice.

1956 entstand im DHMD das Wandgemälde „Lebensfreude“ des später weltberühmten Malers Gerhard Richter. Seine studentische Abschlussarbeit, die 1979 übermalt worden war, wird im Rahmen einer Schaurestaurierung partiell wieder freigelegt.

 

Foto: Erich Auerbach // © Gerhard Richter 2024 (01022024), courtesy Gerhard Richter Archiv Dresden

öffentliche Führungen

ab 17. März | sonntags | 15 Uhr

Das Deutsche Hygiene-Museum in der DDR

ohne Anmeldung, mit Museumsticket kostenfrei
Wir laden Sie zu einem Ausstellungsrundgang und einem generationsübergreifenden Austausch über Erfahrungen in und Sichtweisen auf die DDR ein.  

 

23. März | Samstag | 11 Uhr 

Architekturführung: Pragmatismus und Zeitgeist 

Anmeldung empfohlen, mit Museumsticket kostenfrei

Das Museumsgebäude von Wilhelm Kreis wurde 1945 zu 70 % zerstört. Die Führung berichtet über die pragmatischen Rekonstruktionen des Gebäudes in der Nachkriegszeit, die das Ziel hatten, den Ausstellungsbetrieb schnell wiederherzustellen, und über eigenständige architektonische Ergänzungen wie z. B. den Kongress-Saal. 

 

Mehrsprachige Führungen

Vertreter:innen migrantischer Communitys aus Dresden die an der Ausstellung mitgewirkt haben, bieten Führungen an und laden ein zum Gespräch. 

Termine ab März an dieser Stelle 

Deutsches Hygienemuseum Objektfotografien

Virtuelle Live-Führung

9. April | Dienstag | 19 Uhr

Das DHMD in 10 Objekten 

Zoom-Führung für Einzelpersonen und Gruppen, begrenzte Teilnehmerzahl | 6 Euro pro Rechner
Anmeldung: service@dhmd.de, 0351 4846-400

 

Das Gesundheitsmännchen „Kundi“ war seit Ende der 1950er-Jahre das Maskottchen des DHMD und Akteur in vielen Aufklärungskampagnen.
Entwurf: Richard Hambach (1917–2011), 1983, © Nachlass Richard Hambach;
Foto: materialmatters/Robert Vanis

Projekte

21. März | Donnerstag | 15 Uhr | 2 Stunden

Die DDR, meine Arbeit und ich. Rückblicke in unsere Fotoalben

Ausstellungsführung und Gespräch, max. 12 Personen mit Museumsticket kostenfrei 
Anmeldung: service@dhmd.de, 0351 4846-400 

Öffnen Sie Ihr Fotoalbum und bringen Sie ein Bild mit, das Sie heute an Ihr Arbeitsleben in der DDR erinnert. Im Anschluss an den Rundgang laden wir Sie ein zu einem Austausch über Ihre persönlichen Erlebnisse in der Arbeitswelt der DDR. 

 

21. April | Sonntag | 11 Uhr

Exkursionen in die Gedenkstätte Bautzner Straße

Führung durch die Gedenkstätte mit dem Themenschwerpunkt „Staatssicherheit und Kulturinstitutionen“, bei dem es u. a. auch um die Situation im DHMD während der DDR-Zeit geht.

 

26. Mai | Sonntag | 10 bis 17 Uhr
15 bzw. 10 Euro (inkl. Lunch-Paket)

Hoyerswerda: DDR-Utopie und ihr Erbe. Ein Ausflug mit Reiseleitung, Stadtrundgang und Ortsgesprächen

Im Rahmen des Outreach-Projekts „DHMD unterwegs“

Inszenierte und interaktive Bustour zum Thema DDR-Architektur und Stadtplanung mit anschließender Stadtführung mit der Architektin Dorit Baumeister und kurzen Treffen mit Vertreter:innen der Stadtgesellschaft.

Inklusive Angebote

Führung in Einfacher Sprache

7. APRIL 2024, SONNTAG, 11 UHR

ohne Anmeldung, mit Museumsticket kostenfrei

Öffentliche Führung in Deutscher Gebärdensprache

2. JUNI 2024, SONNTAG, 15 UHR

ohne Anmeldung, mit Museumsticket kostenfrei

Für Schulen

Schüler auf dem Weg in das Museum

Bildungs- und Vermittlungsprogramm ab Klasse 8

Das umfangreiche Angebot für Schulen können Sie HIER als pdf herunterladen.

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